Philip Köster - Interview

Adrian Beholz hat 2010 seinen ersten PWA Freestyle Event in Podersdorf bestritten. Danach trat er auf Fuerteventura an. In Deutschland gewann er im September den German Freestyle Battle.

Wie bist du zum Windsurfen gekommen?

Ich komme ja direkt vom Bodensee, da habe ich bereits von klein auf den Surfern auf dem Wasser zugeschaut. Mit sieben Jahren habe ich selber das erste Mal das Segel in die Hand genommen und mit 12-13 Jahren dann so richtig angefangen, also die ersten Tricks ausprobiert. 2006 bin ich den ersten Contest gefahren und auf Fuerte bin ich dieses Jahr das erste Mal bei einem PWA Event dabei.

Hast du schon gefährliche Situationen erlebt (Seenot, Verletzungen)?
Beim Surfen direkt verletzt habe ich mich noch nicht. Ich bin nur einmal auf einen Stachelrochen getreten. Die Dinger sind ziemlich gefährlich, sobald ihr Gift vom Fuß herauf in die Organe gelangt. Das Blöde war, dass ich unter Schmerzen zwei Stunden mit dem Auto durch Brasilien fahren mussten, um einen Arzt zu finden, der meinen Fuß richtig behandeln kann. 12 Tage war ich danach außer Gefecht gesetzt. Ärgerlich, gerade zu Beginn eines Surfurlaubs. Aber es ist ja alles noch einmal gut gegangen.

Wie verbindest du Windsurfen und Schule/Ausbildung/Beruf?
Naja, also die Schule habe ich abgebrochen, um mich voll und ganz aufs Freestylen fokussieren zu können. Ich möchte zwar irgendwann noch mein Abi nachholen, weil mir schon klar ist, dass das Profi-Windsurfen nur einen Lebensabschnitt für mich darstellt. Aber das war schon ein kleiner Krampf, vor allem die Auseinandersetzungen mit meinen Eltern.

Was wird deiner Meinung nach in den nächsten Jahren im Freestyle passieren? Wo siehst Du den Windsurfsport in 10 Jahren?
Ich denke, es wäre wichtig, dass sich der Freestyle innerhalb des allgemeinen Windsurfsports noch selbstständiger macht. Zum Beispiel haben wir ja mit den Jungs der Sofa Movielab Crew den „German Freestyle Battle“ ins Leben gerufen, weil es vorher noch gar keinen eigenständigen Event nur für diese Disziplin gab.

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Was wärst Du heute, wenn du nicht Windsurfer wärst?
Das kann ich so jetzt gar nicht sagen. Ich bin erst 20 und habe mich nun erst einmal entschieden, mich voll aufs Freestylen zu konzentrieren. Würde ich jetzt zur Uni gehen, hätte ich wahrscheinlich Soziologie oder einen anderen geisteswissenschaftlichen Studiengang gewählt.

Was ist das Beste am Beruf Windsurfer? (Was das Unangenehmste?)
Ich bin ja noch neu bei den Professionals und so ist es ist wie ein großes, allumfassendes Projekt für mich. Durch das Windsurfen bieten sich mir zahlreiche Möglichkeiten auf den unterschiedlichsten Ebenen.
Natürlich ist es das Größte, auf der Welt rum zu kommen, so viele schöne Spots zu sehen und andere Länder und Kulturen kennen zu lernen. Aber auch dadurch, dass ich mich nun sehr organisieren und mich selbst managen muss, hab ich die Chance viel zu lernen.

Rituale: Wie bereitest Du Dich auf einen Wettkampf vor? (Gibt es Glücksbringer? Quellen der Inspiration, Unterstützung?)
Tja... ich versuche schon, noch einmal in mich zu gehen vor einem Heat und vor allem, das ganze Drumherum, die Medien etc. auszuschalten. Sobald du anfängst, für irgendwen anderes als für dich selbst zu fahren, funktioniert das Ding nicht.

Was ist „wahrer Luxus“?
Wahrer Luxus ist für mich, wenn du wirklich frei von Zwängen und gesellschaftlichen Konventionen einfach das machen kannst, wofür du brennst und was du wirklich willst!

Das letzte Buch/der letzte Film/das letzte Album, wofür Du dich begeistern konntest?
Ich lese gerne Hermann Hesse, der Steppenwolf ist DAS Buch. Ansonsten mag ich Hip Hop, am liebsten guten Deutschen...

Wie sieht ein Wochenende ohne Sport aus?
Sonst war ich viel klettern und im Winter auf dem Snowboard. Aber wenn ich jetzt zwischendurch mal nach Hause komme, liebe ich es, einfach nur zu relaxen und sich ein bisschen betüdeln zu lassen ;)...

Adrian Beholz - Interview