Gunnar Asmussen
Gunnar Asmussen ist einer der Slalom Hot-Shots aus Deutschland. Im Winter trainierte er vor Australien sowie auf Teneriffa zusammen mit anderen Profis. Ein Interview.


Hi Gunnar, nach einem ungewöhnlich windarmen Winter hier hast du uns von Australien offensichtlich etwas Wind nach Médano gebracht. Dort hat es ja ununterbrochen geblasen. Hat man nach Monaten täglich auf dem Wasser überhaupt noch Bock auf Windsurfen?
Australien war schon richtig geil, ich war lange nicht soviel auf dem Wasser, Füße und Hände waren ziemlich hart in Mitleidenschaft geraten. Ich hatte letztes Jahr echt krasse körperliche Probleme und war kaum Windsurfen, fast nur auf den Regatten, somit war ich abends immer richtig fertig. Thomas Frener von Maximum Surf hat mich aber immer wieder motiviert und so ging es jeden Tag weiter. Ich habe aber versucht, soviel es geht auf's Waveboard zu kommen, hatte vielleicht 15 Tage auf dem Slalomboard, somit war ich richtig heiß aufs TWS Pro Slalom Training.


Wer dich besser kennt, weiß, dass du nicht nur zu den weltweit Schnellsten auf dem Wasser zählst, sondern dich auch in der Welle in Extrembereiche wagst. In Australien bist du sogar Deinen ersten Doppelloop gesprungen. Was macht für dich die Faszination beim Windsurfen in der Welle aus?
Ich komme ja vom Windsurfen in der Welle, vor 15 Jahren bin ich noch gegen Klaas Voget und Bernd Flessner gefahren, auch im Freestyle war ich vorne dabei. Leider hatte ich dann 'ne längere Auszeit und ohne Training kommst du da nicht weiter. In der Welle habe ich am meisten Spaß und das kann ich auch gut jeden Tag machen. Da lasse ich einfach mal die Seele baumeln und genieße die Natur. Ich liebe es, mich richtig 'rauszuschießen, Adrenalin pur! Früher bin ich auch mal aus Versehen 'nen doppelten Pushloop gesprungen, aber das waren noch andere Zeiten mit Anfang 20. Speedsurfen hat mir im letzten Jahr allerdings den vielleicht besten Tag beschert. Die Abwechslung aus Formula, Slalom, Wave und Speedsurfen macht Windsurfen für mich einzigartig.
Gunnar Asmussen
Du bist jetzt mit der G-2 unterwegs, der ehemaligen Segelnummer von Andre Paskowski. Ihr wart eng befreundet, ist das für dich eine zusätzliche Motivation?
Ja, wir haben damals zusammen angefangen mit den Regatten und sehr viel zusammen erlebt, was uns schon sehr zusammengeschweißt hat. Die Segelnummer wurde von Choppy Water freigegeben und ich entschied zusammen mit Andre's Eltern, dass ich damit auf Trophäenjagd gehe. In der Vergangenheit hab ich öfters versäumt, richtig zu trainieren, richtig zu essen und mich von den Partys fernzuhalten. Vielleicht gibt es mir die nötige Kraft, den Versuchungen zu widerstehen und endlich mal eine Saison richtig durchzuziehen.


Zum Trainingsalltag hier bei den TWS-Slalomstages: Du bist hier ja mit einigen PWA-Fahrern unterwegs und oft genug hast du das Feld zumindest ab der ersten Halse dominiert, soweit ich das bei meinen Sessions an der Mole mitverfolgen konnte. Wie schätzt du selbst Deinen Trainingsstand ein?
Momentan kann ich wohl jeden schlagen, dass haben wir ja hier auf Teneriffa gesehen. Das Training der letzten Wochen macht sich da natürlich bemerkbar und auch mein Material ist extrem gut. Allerdings hab ich den Nachteil, dass ich jetzt wieder voll arbeite und damit wieder eine Doppelbelastung habe, da haben es einige der Jungs einfacher. Das ist auch der Grund, warum ich in der aktuellen Saison nicht an allen Rennveranstaltungen der PWA teilnehmen kann. Ich hoffe aber, die Motivation über die nächsten Monate halten zu können, die Temperaturen in Deutschland schnell steigen und das ich fit zur ersten Regatta komme.


Wer ist für dich im Schnitt der Schnellste hier im Training?
Matteo Iachino ist der zu schlagende Mann, aber ich kann sagen, es ist möglich. durch das gemeinsame Training kennt man auch die Schwächen der Gegner, das kann einem später helfen. In der Top-Gruppe sind aber fast alle superschnell, da gibt es einige Namen. Lang, Langer, Quentel, um nur ein paar zu nennen.


Für viele ist es immer ein Mysterium, wie die Starter es schaffen, aus allen Richtungen kommend und unterschiedlichem Timing fast genau zeitgleich über die Startlinie zu rasen. Was ist Deine spezielle Taktik oder welche Tipps hast du für die Neulinge parat?
Ich fahre ca. eine Minute vom Startschuss auf die Startlinie zu, aus ca. 150m Entfernung. Die letzten 10 Sekunden gebe ich dann Gas und versuche im besten Fall direkt bei Null mit maximalen Speed über die Startlinie zu fahren. Da brauchst du natürlich ein gewisses Timing und Training, bzw. man sollte Geschwindigkeit und die verbleibende Strecke gut einschätzen können. Das kann man aber gut mit einer Tonne auf'm See trainieren. Natürlich spielen beim Start auch noch andere Faktoren eine Rolle, z.B. große Wellen, andere Fahrer, das macht die Geschichte dann deutlich schwieriger. Da hilft nur Training, Training, Training, am besten hier auf Teneriffa beim TWS Slalom Pro Training.
Gunnar Asmussen

Mit bis zu 20 Läufen und 150 absolvierten Kilometern pro Tag ist dieses Training auch physisch extrem anspruchsvoll. Wie schaffst du das täglich volle Leistung abzurufen?
Ich schaffe es nicht, war nach 2 Wochen eigentlich schon recht platt vom Racen, aber dann geht man halt raus und probiert neue Dinge. Ich war oft mit zu kleinem Material auf dem Wasser, das gibt dann ne ganz andere Motivation. Dann ist das Ziel einfach mal nur Dritter, Vierter oder Fünfter zu werden. Wenn man dann trotzdem gewinnt, um so besser. Es ist ja "nur" Training, es geht ja um nix. Wichtig ist auch, viel Zeit auf dem Wasser zu verbringen und das tut man auf Teneriffa definitiv!


Nach vielen Jahren, die du für North gefahren bist, sieht man dich jetzt mit den roten Segeln von Down Under. Wie kam es zu dem Wechsel?
Ich war 10 Jahre bei North und hatte eine sehr gute Zeit. Leider war es nur noch möglich, 'nen North Deal zu bekommen in Verbindung mit Fanatic und deshalb entschied ich mich für neue Wege. Ich denke, das gibt mir in diesem Jahr auch nochmal zusätzliche Motivation, zumal ich mit der APM Crew (Deutschland Importeur Anm. d. Red.) gut klarkomme und viel Support erhalte. In dem Zusammenhang - Grüße an die Bande!


Wie schätzt du die Leistung der Severne Racesegel ein, wo liegt deren Potenzial und was macht sie auch attraktiv für den ambitionierten Hobbyracer?
Ich bin extrem happy mit den Reflex 8, in manchen Bereichen sind sie kaum zu toppen. Du baust sie nach den Angaben auf und bist sofort konkurrenzfähig. Die Segel stehen extrem gut und haben ein atemberaubendes Profil! Die Rotation ist unschlagbar, ohne auch nur irgendwas an den Segeln machen zu müssen. Somit für jeden ambitionierten Racer ein Genuss! Werbung genug? ;-)

Gunnar Asmussen
Material: Boards, Segel, Masten, Gabeln - die gibt es von der Stange. Wie wichtig ist die Finne und nach welchen Kriterien wählst du die aus? Und was bezahlt man für einen leistungsfähigen Spurhalter?
Die Finnen sind mittlerweile sehr wichtig, das ist schon länger kein Geheimnis. Früher habe ich mir da kaum Gedanken gemacht, jetzt kann ich damit die letzten Prozent rausholen. Die Preise sind von 250-400 Euro, das ist nicht grade wenig um was zu probieren, denn es ist nie gesagt, dass es auch funktioniert. So kann es zu einer teuren und sehr zeitaufwendigen Arbeit kommen. Habe mal gehört, es gibt DWC- und PWA-Fahrer, die mehr als 100 Finnen besitzen.


Reisekosten: Wieviel gibst du im Schnitt für Surfstuff bei den Airlines aus. Gab es mal extreme Beträge und massive Probleme? Was für Tipps hast du für Surfer mit viel Gepäck?
Ich bin da recht ehrlich und melde wirklich alles korrekt an, d.h., es kann schon mal 300 Euro kosten. Immerhin braucht man ja ein paar Boards und Segel, da kommt einiges zusammen. Mit Air Berlin kann man mit der Service Card (jährlich ca.120 Euro) auf jedem Flug 1 Surfgepäck (23Kg) und ne Reisetasche (23Kg z.B. für Finnen, Verlängerungen, usw.) extra mitnehmen. Also wer oft fliegt, bei dem wird es sich richtig lohnen. Übergepäck habe ich letztens auf dem Rückweg aus Australien gezahlt, das erste Mal überhaupt, aber auch "nur" 150 AUD!