Lena Erdil
  Lena Aylin Erdil ist fünfsprachig, hat Politik und Philosophie studiert, fährt erfolgreich im PWA World Cup Zirkus mit und betreibt in der Türkei ein Windsurfcenter. DAILY DOSE bat die interessante Frau zum Interview.

Wie kamst Du zum Windsurfen?

Meine Eltern sind beide Windsurfer und wir haben schon seit ich ganz klein war jeden Sommer in Surfschulen verbracht und haben seit 8 Jahren sogar unsere eigene Station in Bodrum. Also kam das Windsurfen ganz natürlich und es war eigentlich fast unumgänglich für mich. Ich glaube so richtig hooked war ich so ungefähr schon mit 13 als ich mein erstes Slalomboard bekam.

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Was bedeutet Windsurfen für Dich?

Uhh das ist aber 'ne schwierige Frage, ich glaube in erster Linie geht es für mich um Spass und Adrenalin. Dann kommt hinzu, dass man sich immer verbessern kann, also ein konstantes Lernen und unbegrenzte Möglichkeiten, immer schneller werden, einen neuen Move lernen oder länger auf dem Wasser bleiben, es gibt so viele Weisen wie man beim Windsurfen die eigenen Limits pushen!

Slalom, Wave oder Freestyle... In einem Sport verstecken sich eigentlich mehrere, also wird es nie langweilig. Was mir besonders gut gefällt ist Sturm, egal ob es kalt ist oder regnet, je mehr ich die Kraft der Elemente fühlen kann, desto mehr Spaß habe ich.

Lena Erdil

Bekommen Frauen in der Windsurf Welt genug Respekt entgegengebracht?

Naja also an Respekt fehlt es uns nicht glaube ich, manchmal denke ich bekommen wir sogar mehr Respekt für Moves die vielleicht weniger extrem sind als die einiger Herren... Jedoch herrscht innerhalb der Windsurf Industrie eine gewaltige Ungleichheit zwischen dem was Männer und Frauen von ihren Sponsoren bekommen und natürlich auch beim Preisgeld bei der PWA.

Aber die hiermit zusammenhängende Diskussion ist eine recht weitreichende, die in ähnlicher Art auch in anderen Sportarten existiert. Jedoch glaube ich, dass mehr und mehr  Frauen zu windsurfen anfangen. Ich sehe das auch in unserem Windsurf Center. Wir haben oft mehr Frauen als Männer auf dem Wasser, also hoffe ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind um Frauen im Sport gleichberechtigt zu machen.

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Du hast studiert? Was und warum?

Ja, wenn ich sage, ich habe Politik und Philosophie studiert, dann kriege ich meistens erst mal schiefe Blicke... Nach dem Gymnasium, ich war an der Europaschule in Brüssel, war ich sehr interessiert an Politik und Philosophie und da ich 5-sprachig bin, konnte ich mir eine Karriere in der EU-Welt gut vorstellen... halbwegs durchs Studium wurde mir jedoch klar das ich höchstwahrscheinlich nie etwas direkt bezüglich mit dem Studium machen werde.

Naja, nach dem Studium und mit ein bischen mehr Lebenserfahrung in der Tasche, kann ich jetzt ruhigen Herzens meine "Karriere" als professionelle Windsurferin verfolgen ;)

Lena Erdil

Die Bilder dieser Story sind aus Südafrika. Was magst Du an Südafrika und welche Spots empfiehlst Du?

Was mir besonders an Südafrika gefällt, ist, dass es so viele Spots gibt, die alle relativ nah beisammen sind, so dass man sich Windstärke und Wellen Größe fast ein bischen aussuchen kann.

An weniger windigen Tagen ist meine erste Adresse meistens "Sunset Beach", da der Wind hier immer als erstes anfängt.  Wenn es in Sunset zu windig ist, kann man weiter westlich fahren zu Spots wie Bigbay, Haakgat oder Melkbos, oder sogar noch weiter an der Westküste entlang zu Spots wie Yzerfontein, Swartriet, Paternoster oder Elands Bay.

Mein Lieblingsspot dieses Jahr war Paternoster. Wenn der Wind mal Nordöstlich weht, dann gibt es Spots näher am Kap die gut sind. Dieses Jahr hatten wir ein paar gute Tage in Witsands und Mistycliffs, die Spots funktionieren natürlich auch bei Südwest-Wind.

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Warst Du in Südafrika, um gezielt in der Welle zu trainieren?

Ja ich glaube ich habe in den letzten Jahren die Wellen-Sucht geschnappt, also versuche ich so bald ich die Sommersaison in der Türkei beende in die Welle zu kommen. Seit letztem Jahr war ich bereits in Namibia fuhr die Speed Challenge in Lüderitz und bin dann einfach dort geblieben.

Südafrika ist super zum trainieren weil es so regelmässig windig und wellig ist. Dieses Jahr möchte ich gerne bei einem oder zwei PWA Wave-Events mitfahren, obwohl ich im Sommer leider keine Zeit habe, um mehr in der Welle zu trainieren.

Lena Erdil

Was sind Deine Pläne für die Zukunft? Wie sieht das perfekte Leben aus?

Mein perfektes Leben habe ich im Moment eigentlich schon. Im Winter kann ich in der Welle trainieren und im Sommer und Frühling bin ich in der Türkei und manage, unterrichte und trainiere in meinem eigenen Windsurf Center in Ortakent, dem Lena Erdil Windsurf Center.

Meine Windsurf Karriere hat aber im Moment für mich noch Priorität, denn mein Ziel ist es mindestens einen PWA Slalom Weltmeister Titel zu bekommen und natürlich versuche ich schon seit zwei Jahren den Speed Weltrekord zu brechen, letztes Jahr habe ich ihn leider mit 0.09 Knoten verpasst!  

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Die weitere Zukunft ist mein Windsurf Center. Die Türkei und besonders Bodrum ist so ideal zum Windsurfen, dass ich immer wieder überrascht bin das dieser Spot eigentlich noch recht unbekannt ist...

Falls Ihr mehr zu Lenas Center in der Türkei erfahren wollt, hier ist der Link: www.ortakentwindsurf.com

 

Lena Erdil