Mathias Genkel
Wie bist du zum Windsurfen gekommen und in welchem Alter?
Ich bin durch meine Eltern zum Surfen gekommen. Schon im Alter von 8 Jahren ging es in den Sommerferien am heimischen See aufs Wasser. Mein Cousin und ich träumten damals immer davon, einmal auf der Ostsee in Wellen zu surfen. Das hat dann zum Glück auch bald geklappt.

Was hat dich am Sport von Anfang an fasziniert?
Mich faszinieren die unterschiedlichsten Facetten des Windsurfens. Ganz am Anfang war da dieses Gefühl der Schwerelosigkeit beim Gleiten. Ich weiß noch, wie ich als kleiner Junge immer ans Heck meines Boards schaute, um die Furche, die ich ins Wasser zog zu beobachten. Das war damals faszinierend. Diese kleinen Dinge vergisst man oft, wenn man zu verbissen an den Sport heran geht, was schon einmal passieren kann, wenn man die eigene Fahrleistung an den Videos der Profis im Internet misst. In letzter Zeit ist mir auch wieder verstärkt bewusst geworden, dass Windsurfen eine ganz besondere Form des Reisens ist, weil man mit der richtigen Einstellung die interessantesten Menschen an den verschiedensten Spots kennen lernt.
Mathias Genkel
Du bist als Freestyler bekannt. Ist das deine absolute Lieblingsdisziplin oder verschmähst du auch eine Welle nicht? Oder riggst du gar die ganz großen Lappen auf?
Dass es im Windsurfen auf Wettkampfniveau unterschiedliche Disziplinen gibt, ist essentiell für die Weiterentwicklung des Sports. Im Alltag erzeugen die häufig mit Vorurteilen belasteten Kategorien wie Waver, Freestyler, Freerider, Racer oder Speeder aber ein unnötiges Schubladendenken. Die Disziplinen Wave und Freestyle wachsen sowieso immer stärker zusammen. Das ist auch gut so. Mir machen alle Disziplinen Spaß. Allerdings kommt man mit dem Freestyler in Norddeutschland um ein vielfaches häufiger aufs Wasser als mit dem Waveboard. Ich fahre auch ein 85l-Freestyleboard, dass sich im Ostseechop sehr wohl fühlt. Gerade gestern in Kellenhusen war das mit dem 4.8er Quad eine ideale Kombination, um in marginalen Bedingungen viel Spaß zu haben. Anstatt draußen oder drinnen eine Wende zu machen, versuche ich oft einen Freestyle-Move. Und das ist dann oft der einzige Unterschied zu einem Wave-Fahrer. Das geniale am Freestylen ist, dass man auch ohne Wellen z.B. bei einem Kono so ein richtiges Gefühl des Fliegens bekommt.

An welchen Moves arbeitest du gerade?
Auf Flachwasser übe ich gerade den Double-Culo. Double-Powermoves sind gerade auf internationaler Ebene mittlerweile Standard. Das beste Feeling gibt mir aber ein Air-Kabikuchi, den man bei viel Wind im Flachwasser und sonst auch in der Welle springen kann. Der Move gelingt mir mittlerweile häufiger.
Bei schönen Wellen feile ich an der Höhe meiner Backloops und beim Abreiten an Wave-360s. Es hilft viel, wenn man, um beim Windsurfen weiter zu kommen, die jeweils zu den Bedingungen passenden Moves übt. Unzählige Leute trainieren Volcans oder Spocks und kommen dann manchmal nicht weiter. Dabei würde es bei ganz vielen Surfern unglaublich viel helfen, wenn sie bei Leichtwind die richtigen Vorübungen trainieren. (Upwind360 in den Schlaufen für den Flaka, etc.)


Mathias Genkel
Wo siehst du beim Freestylen am meisten Entwicklungspotential?
Das Freestylen in der Welle ist in der Tat ein unglaublicher Innovationsmotor. Man schaue sich nur die wilden Kreationen von Balz Müller, Steven von Broeckhoven, Gollito und co. an. Ich möchte da auf jeden Fall dran bleiben und den ein oder anderen verrückten Move wie den Shifty probieren. Auch wenn ich mir dafür wohl demnächst einen Helm zulegen muss.


Wie wichtig ist beim Freestyle das (dein) Material?
Was wirklich wichtig ist: Das Material muss neben der Performance vor allem halten. Gerade wenn man regelmäßig surft, wird einem das oft schmerzlich bewusst. Ich habe bei den Segeln deshalb schon seit Ewigkeiten auf Sailloft gesetzt. Das aktuelle Quad ist dahingehend einfach perfekt. Damit kann man ohne Nachzudenken in die Welle gehen und auch alle Freestylemoves mit Leichtigkeit lernen. Was nützt ein speziell hochgezüchtetes Freestyletuch ohne Verstärkungen, wenn ich dann für die Welle einen zweiten Satz Segel brauche? Bei Serienboards kann man vor allem die Boards von Patrik Diethelm empfehlen. Bei vielen Marken stimmt zwar das Design, aber der Belastung einer gesamten Saison sind die wenigsten Freestyleboards gewachsen. Wenn man sieht, was bei den Worldcups so kaputt geht. Das ist schon Wahnsinn. Ich bin seit neuestem auf die Custom-Schmiede Wark-Boards umgestiegen, weil die Haltbarkeit im Vergleich zu einem Serienboard noch mal um ein Vielfaches besser ist. Ich muss mich einfach auf mein Material verlassen können, ohne nach einer flachen Landung sofort Gewissensbisse zu haben. Zudem hat man mit Andi (Shaper von Wark) einen kompetenten Ansprechpartner in Deutschland, ganz ähnlich wie bei Sailloft.

Mathias Genkel
Hast Du einem Tipp, mit welchem Move man den Einstieg ins Freestylen finden kann?
Der Volcan (Airjibe) und der Flaka sind zwei gut erlernbare Grundmoves, auf die viele andere Manöver aufbauen. Dann sollte man auch bei wenig Wind viele Segeltricks üben und vor allem nicht aufgeben. Man wird irgendwann belohnt. Es öffnen sich immer wieder neue Türen. Das Potential des Windsurfens ist riesig. Ich würde übrigens immer alles möglichst beidseitig üben, weil man dann in den unterschiedlichsten Bedingungen Spaß haben kann.

Wo siehst Du beruflich deine Zukunft? Spielt Windsurfen da eine Rolle?
Ich arbeite ja schon seit ein paar Jahren Vollzeit als Lehrer und mein größtes Ziel war auf lange Sicht immer die Vereinbarung von Beruf und Sport. Das ist mir bisher zum Glück immer sehr gut gelungen. Natürlich wird Windsurfen immer eine wichtige Rolle spielen. Schon als Kind wollte ich Redakteur bei der Surf werden. Ich habe sogar eine Projekte im Kopf, könnte mir auch vorstellen Clinics zu geben. Ich bin gespannt, was die Zukunft ergibt.

Welche Pläne hast Du in Punkto Windsurfen? 2015 warst Du beim World Cup auf Fuerteventura. Werden wir mehr solcher Auftritte sehen?
Ich möchte weiterhin Contests fahren, weil man durch das Heat-Fahren sehr viel lernt. Man puscht das eigene Level und nach so einem Contest in so richtig schwierigen Bedingungen, funktioniert am Homespot oft alles wie von allein. Was den Worldcup betrifft, so ist der Start mit Customboards im Freestyle nicht möglich. Aber ich könnte mir schon vorstellen einmal wieder teilzunehmen. Allerdings darf man die weitere Entwicklung des Niveaus nicht außer Acht lassen. Dieses Jahr werden wir sicherlich die ersten Double-Airculos in den Heats sehen und es wird als Berufstätiger mit langer Anfahrt zu den Spots nicht unbedingt einfacher da dran zu bleiben. Allerdings ist nichts unmöglich, wenn man an sich glaubt. Ich hoffe, dass sich dieses Jahr ein paar EFPT-Eventteilnahmen ergeben. Die ersten Wettbewerbe in Deutschland starten bereits im Mai mit den GFBs auf Fehmarn und Rügen.