Phil Schreyer
Viele suchen einen Beruf im Umfeld ihres Hobbys. Beim Windsurfen läuft das oft auf die Mitarbeit bei einer Surfstation im In- oder Ausland hinaus. Phil Schreyer geht einen anderen Weg. Er versucht momentan als Fotograf in der Szene Fuß zu fassen. Im Interview erzählt er, wie der Weg bisher war und wo die Ziele liegen.
Surfst du selber?

Ja, seit über 12 Jahren richtet sich mein Leben nach dem Wind! Das erste mal stand ich tatsächlich mit 6 Jahren während eines Sommerurlaubs in Sardinien auf dem Brett. Aber richtig angefangen habe ich damals im Alter von 9 Jahren in Amerika. Da mein Vater schon immer begeisterter Surfer war, lag es nicht fern, dass auch ich diesen Weg gehen werde.

Meine Jugend verbrachte ich in Karlsruhe und hatte daher nicht wirklich die Möglichkeit mich zu verbessern. Als ich 18 Jahre alt war (2010) bin ich dann zum Surfen und Studieren nach Kiel gezogen.

0 Wie bist du auf die Idee gekommen, mit Surf-Fotos Geld verdienen zu wollen?

Schon seit kleinauf begeisterte mich das Fotografieren. Ich habe alles fotografiert, was mir vor die Linse kam (damals noch Analog). Als sich meine Schulzeit dem Ende zuneigte, merkte ich, dass meine Fotos bei meinen Freunden sehr gut ankamen, woraufhin ich dann auch meiner erste digitale Spiegelreflex erhalten habe. Schnell wendete sich meine Fotografie von den normalen Shootings, Hochzeiten und co. zur Actionsport-, vor allem Wassersport- und Konzertfotografie.

Die Idee damit Geld zu verdienen kam erst, als ich merke, dass ich eigentlich schon ordentlich mit der Fotografie verdient habe. Schnell entschied ich mich daraus ein Business zu machen und es professionell aufzuziehen.
Phil Schreyer

Wie lange fotografierst du schon und was hast du für eine Ausbildung?

Ich fotografiere seitdem ich eine Kamera halten kann. Die „Sucht“ des Fotografieren kam, als ich mein erstes Foto in einer Zeitung veröffentlichte und ich mir dachte „Phil, daraus kannst du echt was machen!“ Ich habe keine fotografische Ausbildung und arbeite momentan für den Norddeutschen Rundfunk. Ab Oktober 2014 plane ich ein Studium im Bereich Kommunikations- Design, um mein Wissen für Film und Design zu erweitern.


Wann hast du dich entscheiden Profi zu werden und wie war der Weg seitdem?

Der Weg als Profi-Fotograf begann 2011 auf der Kieler Woche. Ich war hobbymäßig am Fotografieren und erstellte eine Facebook Seite. In dieser Woche wurde meine Seite 16.000 Mal aufgerufen!

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Danach habe ich Vollgas gegeben. Der Weg seitdem war nicht einfach. Ich war jung, hatte keine Ahnung wie ich ein Business zu führen habe und war erstmal total überfordert mit den ganzen Anfragen.

Mal ganz davon abgesehen wurde kurz nach dieser Kieler Woche mein VW-Bus auf einer Reise durch Schweden geknackt und leer geräumt. Fotoequipment, Laptops und usw. - ein Wert von an die 10.000 Euro... weg! Bis ich mein neues Equipment kaufen konnte, verging ein Dreivierteljahr. Da kannte mich dann, na klar, keiner mehr und ich fing wieder von vorne an.

Jetzt baute ich meine Karriere systematisch aus – fokussiert auf die oben angesprochenen Bereiche.

Phil Schreyer
Wie viel musstest du investieren, um konkurrenzfähig zu sein?

Ich wünschte, ich könnte eine Summe nennen, doch leider gibt es nach oben keine Grenze. Das nächste Objektiv, welches ich anstrebe, kostet gebraucht um die 8000 Euro... Sportfotografie ist leider kein Schnäppchen-Job.


Ist die Surfszene im Fotomarkt nicht sehr umkämpft? Kann man da überhaupt noch Geld verdienen?

Es ist tatsächlich sehr schwierig. Meistens heißt es: Wir können dich nicht zahlen, aber du kannst kostenlos bei uns wohnen und essen. Das mag nett sein und ist gute Werbung für mich, aber davon kann ich dann nicht leben. Die Fotografie wird oft unterschätzt und es gibt zu viele Fotografen, die ihren Service kostenlos anbieten.
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Das macht es noch schwieriger dagegen anzukommen. Es gibt einige gute Fotografen in der Surfszene, jedoch geben viele auch schnell auf. Umso besser für mich, da ich weiter kämpfen werde und das große Glück habe, dass ich mich mit den Profis sehr gut verstehe.

Eines meiner gern gefragten Angebote sind meine Surf n' Shoots. Hier kann der aktive Surfer über Liveticker erfahren, an welchem windigen Spot ich mich gerade befinde, um so Bilder von sich selbst schießen zu lassen. Ab 2014 gibt es dann sogar einen kostenlosen Vor-Ort-Print des Lieblingsfotos.

Phil Schreyer

Wo liegen die Herausforderungen im Surf-Foto Bereich? 

Differenzierung, also sich mit den eigenen Fotos von denen anderer Fotografen abzuheben. Es gibt schon eine Menge Fotos, wo Köster z.B. eine Frontloop macht, das will keiner mehr sehen. Da muss man dann kreativ sein und sich neue Perspektiven einfallen lassen, welche die Leute umhauen.

Eine weitere Herausforderung ist, dass man Fotos schießt und keine Videos macht. Wir leben in einer Welt, wo Videos mehr Aufmerksamkeit bekommen als Fotos. Man muss es also schaffen, jemanden mit einem Foto so zu packen, wie andere es mit einem 3 Minuten Video machen. Das ist nicht leicht.


Reist du durch die Fotografie mehr? Was außer finanzieller Entlohnung ziehst du aus deinem Job?

Ja, ich komme gut rum auf der Welt. Ich freue mich schon drauf, dass ich bald die Möglichkeit habe nach Chile zu reisen. Die Natur ist einfach umwerfend und die Wellen ein Traum.

Ich habe es geschafft mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich denke das ist eine der schönsten Dinge die man im Leben erreichen kann.

0 Einen Beruf zu haben, der einen vollkommen zufrieden stellt. Mal ganz von dem eben genannten Grund abgesehen; es gibt nicht schöneres als nach einem sonnigen Surftag, wo viele tolle Fotos entstanden sind, sich noch gemütlich ums Lagerfeuer zu setzen, um den Tag ausklingen zu lassen.


Was sind deine Ziele?

Im März möchte ich mit einem Kollegen eine Firma gründen, welche sich auf die Medienkommunikation im Extremsport fokussiert. D.h. wir drehen radikale Videos und schießen atemberaubende Fotos, vielleicht auch für Werbespots im TV. Wenn das so funktioniert wie wir uns das vorstellen, wäre ich sehr zufrieden.

Gerne würde ich bei allen World Cup Stops im Jahr 2015 dabei sein und für einige Surffirmen die Fotoshoots machen. Mit ein paar Firmen bin ich auch schon im Gespräch.

Im Großen und Ganzen möchte ich es aber schaffen, mein Leben lang glücklich zu sein mit dem was ich tue - und bis jetzt funktioniert das sehr gut!

Phil Schreyer