Thomas Traversa hat 2014 den WM-Titel geholt und bewies beim Storm Chase sein Talent für radikale Bedinungen. Wir haben ihn interviewt.

Wie und in welchem Alter hast Du surfen gelernt?
Ich habe mit dem Windsurfen eher zufällig angefangen, als ich neun war. Ich surfte zu dieser Zeit mit meinem Bruder und mein Vater war ein paar Mal im Jahr mit dem Windsurfer unterwegs. Meine Eltern haben mir dann den Mini Bic gekauft, der gerade herausgekommen war und sehr günstig war - 400 Euro komplett. Ich hab’s ausprobiert und mochte sofort das Gleitgefühl und das Gefühl der Freiheit. Dann hat mein Vater auch wieder mehr Zeit mit dem Windsurfen verbracht und wir haben die Halse und den Wasserstart zusammen gelernt. Ich windsurfte immer mehr und surfte weniger, da die Gegend um Marseille viel Wind, aber wenig Wellen hat.

Wann hast Du begonnen an Wettkämpfen teilzunehmen und wie kam es dann zur World Cup Teilnahme?
Mit 12 oder 13 war ich sehr viel in der Welle unterwegs und ich hatte meine ersten Sponsoren, nämlich Tabou und Space Dog Sails, die mir angepasstes Material zur Verfügung stellten. Dann kam Quicksilver dazu und das hat mich motiviert, so schnell wie möglich besser zu werden. Dann kam das Freestylen auf und das habe ich wirklich gemocht. Obwohl das Tricksen für mich eine ziemliche Änderung bedeutete, wurde ich schnell besser. Vor allem das Training mit Antony Ruenes, der auch mit Freestyle begann, hat viel gebracht.

Dann habe ich mit 15 meine ersten Freestyle-Wettbewerbe gefahren und mit 17 wurde ich dritter bei den Französischen Meisterschaften. Das war 2003. Im selben Jahr habe ich auf Fuerteventura zum ersten Mal am World Cup teilgenommen und bin 12. geworden. Das war der Anfang! Für mich bedeutete Freestyle Wettkampf und neue Moves und die Wellen waren gleichzusetzen mit Reisen und Spaß. Alle meine Reisen habe ich gemacht, um in der Welle zu fahren und alle meine Wettbewerbe bin ich im Freestyle gefahren. Da war ich vier Jahre in den Top 10 zwischen 2004 und 2007. Ich bin einige Wave-Wettbewerbe in Frankreich mitgefahren und dann ein oder zwei Mal den PWA Event in Pozo und 2006 habe ich beim PWA Event in Guincho mitgemacht, wo ich fünfter geworden bin. Das hat mich motiviert die ganze Tour auch in der Welle mitzufahren. 2007 war das erste volle Jahr und ich bin 13. in der Gesamtwertung geworden. 2008 habe ich mit dem Freestyle aufgehört und habe mich voll auf die Welle konzentriert. 2009 war ich dann fünfter in der Gesamtwertung.

Wie trainierst Du? Ist das eher als Freesailing einzustufen, oder versucht Du bestimmte Dinge zu lernen?
Meist fahre ich ohne festes Ziel vor Augen und will nur gute Turns fahren. Als ich Takas, Goiter oder 360er gelernt habe, bin ich aufs Wasser gegangen und habe das auf fast jeder Welle probiert, ein wenig wie beim Freestyle. Jetzt kann ich diese Manöver und mache das nur, wenn ich die richtige Section sehe und mir fast sicher bin, dass es klappt. Sprünge trainiere ich zu Hause bei starkem Wind. Ich motiviere mich und trainiere einen bestimmten Sprung, wie den Doppelloop zum Beispiel. Meist versuche ich aber einfach gut zu fahren, Spaß zu haben und möchte viele verschiedene Sachen während einer Session ausprobieren.

Du scheinst sehr leicht zu sein. Wie schaffst du es, sogar in Bedingungen wie beim Storm Chase die Kontrolle zu behalten?
Weil ich leicht bin, bin ich es gewohnt überpowert zu fahren. In Marseille, bläst es meist mit über 40 Knoten, wenn es Welle hat. Ich mag den starken Wind, du kannst höher springen, es gibt mehr Wellen und weniger Leute auf dem Wasser.

Was ist wichtiger, Freesailing oder Wettbewerbe gewinnen?
Das ist schwierig zu sagen. Für mich ist es das Wichtigste in schönen Wellen zu fahren und mich weiter zu verbessern. Man kann immer etwas verbessern. Aber die Wettbewerbe ermöglichen es, dass du deine Grenzen überschreitest. Das ist ein Grund immer besser werden zu wollen. Es ist eine große Befriedigung gute Resultate auf der World Tour zu erzielen und wenn du bei einem Wettbewerb unter den Besten bist tut das auch gut.

2015 wird es fünf PWA Wave Wettbewerbe geben. Welche anderen Projekte hast Du?
Ich habe mir vor vier Monaten den Fuß gebrochen und ich lasse es sehr vorsichtig heilen. Ich bin also noch nicht 100% soweit, die Saison in Pozo zu beginnen. Wir werden sehen. Ich werde stattdessen möglichst viel Zeit mit unserem Baby und meiner Freundin verbringen. Wir werden nach Sardininen fahren und vielleicht im August einen anderen Trip machen, ganz ruhig mit der Familie. Ich werde natürlich auch an den PWA Events teilnehmen, wenn es meinem Fuß gut geht, aber ohne festes Ziel. Ich bin seit November kaum auf dem Wasser gewesen, nur sechs oder sieben Mal. Ich will also von guten Bedingungen profitieren und dann 2016 wieder voll angreifen.

Wie siehst Du Deine Zukunft? Willst Du immer im Bereich des Windsurfing arbeiten?
Ich weiß nicht, wir werden sehen. Es ist aber sicher, dass ich im Windsurfbereich arbeiten möchte, ein wenig wie Scott McKercher zum Beispiel. Aber vielleicht mache ich auch etwas anderes. Wir werden sehen…

Danke für das Interview Thomas!

Thomas Traversa - Interview