Hookipa

Der Spot auf der hawaiianischen Insel Maui ist eine Legende. Seitdem Windsurf-Urgestein Mike Waltze wegen des Windes 1978 nach Maui gezogen war und dabei Hookipa für die Windsurfer entdeckte, gehört der Spot zum Sport wie der Mast zum Rigg.

Hookipa bietet regelmäßig hardcore Bedingungen, so dass viele Firmen dort ihre Produkte testen. Und weil schon mal alle da sind, kamen auch die Fotografen, die Filmer und die Zuschauer. Seitdem ist Hookipa ein Perpetuum mobile: Alle gehen hin, weil alle da sind.

Dabei ist Hookipa beileibe kein Traumspot. Der Einstieg ist schmal. Rechts sind Felsplatten. Links vom Einstieg ist eine Felsnase, die von einigen dicht unter der Wasseroberfläche liegenden Riffen garniert wird. Das sind die berühmt-berüchtigen Rocks. Eine geradezu sadistische Kombination aus Strömung, böigem Wind und Luvstau führt dazu, dass selbst die besten Profis hilflos paddelnd, vom nächsten verfügbaren Brecher auf die Felsen gepackt werden. Riggs bersten - dumpf poltern Boards gegen das steinige Ufer, während der Windsurfer in den nächsten verfügbaren Seeigel tritt.

Kaum an Land muss der gestrandete Surfer mit angekratztem Ego einen kleinen rasenbewachsenen Hügel aus rotem Lehm hinaufsteigen, auf dem die Zuschauer wie auf der Tribüne einer Arena sitzen. Hinkend und mit geborstenem Material geht es wieder hinunter zum Strand. Ein neues Segel wird aufgeriggt. Das Board wird schnell repariert. Der Fuß wird mit Duct Tape umwickelt. Dann geht es wieder raus aufs Wasser, bis nach einigen gewagten Moves die Rocks wieder Futter bekommen.

Dies passiert nicht etwa unwissenden Touristen, die tollpatschig in ein Worst-Case-Szenario hinein stolpern. Es ist die Crème de la Crème der Windsurfer, die sich hier demütigen lässt. Marcilio Browne erinnert sich an seinen ersten Ausflug in Hookipa: „Ich habe nicht mal eine Welle bekommen, bin gleicht auf den Rocks gelandet, bin sofort wieder rausgegangen und direkt wieder auf die Rocks geschwemmt worden, ohne eine Welle zu bekommen. Ich bin wieder raus und habe Ewigkeiten auf eine Welle gewartet weil immer ein anderer die Wellen bekommen hat. Dann erwischte ich eine Welle, stürzte, brach meinen Mast, bin hinter den Rocks an Land gespült worden und trat dann auf einen Seeigel.“


Hookipa
Hookipa

„Manchmal gehst du da raus und hast echt keinen Spaß.“ gesteht Ricardo Campello. Es ist voll in Hookipa. Eigentlich bräuchte man nur noch ein paar Punktrichter und der PWA Worldcup könnte jederzeit starten. „Es ist fast wie ein Wettkampf, obwohl es eigentlich keiner ist.“, sagt Marcilio Browne. Ego verpflichtet. Wer nach Hookipa geht, wird nicht mit halber Kraft surfen, wie sähe das den aus? Schließlich schauen ja alle zu. „Wenn du hier was neues probierst, kannst du dir ziemlich sicher sein, dass es irgendwer fotografiert,“ erzählt Ricardo Campello.

So werden auch in Zukunft die Profis der Zunft einen Power Move nach dem anderen vor Hookipa raushauen. Dabei werden sie selbst zu Legenden, weil jeder gelungene Move von eifrig ratternden Kameras der Fotografen begleitet wird und schneller online ist, als der Surfer mit ein paar Seeigelstacheln im Fuß über die Rocks krabbeln kann.

Hookipa
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