Jason Polakow surft Nazare
Jason Polakow surft als erster Windsurfer in den Monsterwellen von Nazare

Der inzwischen 44-jährige Windsurfprofi aus Australien musste sich bei diesem Abenteuer in 13 Meter hohen Klopfern beweisen.

Nazaré ist das europäische Mekka der Big Wave Rider. Ein tiefer Graben vor der portugiesischen Küste lässt die Wellen großer Swells erst kurz vor dem Strand brechen. In diesen Monsterwellen wagte sich Jason Polakow am 2. Februar 2016 als erster Windsurfer aufs Wasser.

Jason Polakow (KA-1111) ist zweimaliger Wave-Weltmeister und hat nach seiner Karriere im Windsurf World Cup schon an vielen Big Wave Spots wie Jaws, Teahupoo, Papatowai, Cloudbreak und Punta de Lobos Erfahrungen gesammelt.

Die Vorbereitungen für den Ritt in Nazaré nahmen ein Jahr in Anspruch - nicht nur, um auf die passenden Bedingungen zu warten, sondern auch um die richtige Crew für das Projekt zusammenzustellen.

Am Dienstag, den 2. Februar 2016 war es dann soweit, Wind und Wellen spielten mit und Jason wagte sich aufs Wasser. Ganze fünf Stunden blieb er begleitet von Jetskis draußen.
Kaum zurück am Strand sprudelten die ersten Kommentar zum eindrucksvollen Erlebnis aus ihm heraus: "Das ist ein sehr herausfordernder Spot mit vielen Eigenheiten, keine Welle bricht wie die andere und auch die Höhe ist schwer einzuschätzen. Aber die Jagd nach großen Wellen ist eine Herausforderung, der ich mich immer wieder gerne stelle, deshalb musste ich es hier einfach auch probieren, da ich schon viele Bilder von Wellenreitern an diesem Spot gesehen habe."
Jason Polakow surft Nazare
"Ich habe bereits viele Big Wave Spots dieses Planeten gesurft und ich kann nur sagen, dass Nazaré der bisher anspruchsvollste war. Die Wellen kommen aus unterschiedlichen Richtungen, überlagern sich teilweise. Das ist sehr schwer einzuschätzen und auch kritisch im Bezug auf die eigene Sicherheit. Gerade deshalb legte ich Wert auf eine professionelle Rettungscrew mit zwei sehr erfahrenen Wellenreitern - Andrew Cotton aus England und Hugo Vau aus Portugal waren auf dem Wasser mit dabei."
Jason Polakow surft Nazare
"Von Land aus koordinierte George Leal die Wassercrew, so dass ich mich gut aufgehoben fühlte." Mit 43 Fuß Höhe waren die Wellen für Nazaré-Verhältnisse in dieser Woche noch moderat, bis zu 100 Fuß wurden hier schon gemessen.

Und genau deshalb wird Jason Polakow wohl noch einmal zu diesen Spot zurückkehren, um den inoffiziellen Rekord für Big Wave Windsurfing - 60 Fuß in Jaws - zu brechen. Jason zu seinem Vorhaben: "Lange dachte ich, dass Jaws der richtige Platz dafür wäre, aber Nazaré produziert die höchsten Wellen der Welt. Mein Ziel ist, es in Portugal noch einmal bei einem gigantischen Swell zu versuchen, dann kann der Rekord hier an der Praia do Norte gebrochen werden."
Jason Polakow surft Nazare
Wann hast du zum ersten Mal von Nazare gehört?
"Von diesem Spot habe ich zum ersten Mal gehört, als Garrett McNamara hier seine Rekordwelle geritten hat. Es lief auf allen Sendern und ich konnte dabei sehen, dass auf dem Wasser weiter draußen Wind wehte - das Potential zum Windsurfen war also da. Seitdem ging es nicht mehr aus meinem Kopf. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich es geschafft habe hierher zu kommen, aber jetzt war ich in Nazare draußen und habe selbst Wellen geritten."

War es so schwierig wie erwartet?
"Ja, ich habe schon viele Big Wave Spots auf der ganzen Welt gesurft, aber hier war es wirklich schwierig. Die Wellen kommen aus unterschiedlichen Richtungen, einige aus Süd, einige aus Südwest. Es gibt keinen festen Take-off Spot, alles verschiebt sich ständig um 200-300 Meter. Manchmal denkst du, du bist an der richtigen Stelle und auf einmal ist die Welle fast wieder flach. Zusätzlich war der Wind zeitweise so leicht, dass ich auf die Hilfe des Jetskis angewiesen war, um Wellen zu erwischen. Wir mussten nah an den Strand, vieles passierte innerhalb der Brandungszone. Damit war es die schwierigste und adrenalinreichste Session, die ich jemals beim Windsurfen erlebt hatte."

Warum ist Nazare so einzigartig?
"Nazare ist ein spezieller Spot. Dort liegt vor der Küste ein sehr tiefer Kanal, der V-förmig zum Strand zuläuft. Wellen, die in diesem Kanal laufen, bauen sich manchmal auf das vierfache der Höhe auf. Eine Besonderheit der Natur, die diesen Spot so einzigartig macht."

Was hast du gedacht, als du diesen Spot zum ersten Mal besucht hast?
"Mein erster Gedanke war 'Wow - das wird schwierig'. Ich habe die ganzen unterschiedlichen Swell-Richtungen beobachtet und auch den eher leichten Wind. Ich wusste sofort, das dies eine Herausforderung wird."
Jason Polakow surft Nazare
Wie hast du dich vorbereitet?
"Auf Hawaii hatte ich viel Schwimm- und Krafttraining auf meinem Tagesplan. Ich habe aber auch Luftanhalten trainiert. Wir hatten einige große Swells in diesem Jahr, so war ich einfach draußen auf dem Wasser und habe versucht meine Routine zu erhöhen: Wellenabreiten mit absichtlichen Wipe-outs, um dann die Anspannung und Herzfrequenz so weit wie möglich zu reduzieren. Viel Praxistraining also, aber die Besonderheiten in Nazare lassen sich schwer trainieren."

Wie lange warst du auf dem Wasser?
"Wir waren circa 5-6 Stunden auf dem Wasser. Das ist eine lange Zeit bei dem kalten Wetter. Dabei haben wir einige hohe Sets erwischt. Nicht gigantisch, aber hoch genug um zu zeigen, was hier möglich ist. Nazare ist kein Platz wo du hinkommst und zwanzig Wellen scorst, wenn du Glück hast erwischst du ein oder zwei gute am Tag. Die hatte ich und damit bin ich sehr zufrieden."

Warum hat niemand zuvor Windsurfen in Nazare probiert?
"Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist die Welle sehr massiv wenn es groß wird. Dann wäre da noch die erforderliche Logistik und ich denke es gibt weltweit nur wenige, denen man Windsurfen hier zutrauen kann. Ich habe es hier geschafft, weil ich Glück mit dem Wind hatte, eine gute Crew und viel Support von den Locals. Und natürlich einen starken persönlichen Antrieb. Ich wollte es unbedingt! Es ist eine große Leidenschaft von mir Big Waves zu jagen. Im Windsurfen gibt es dafür nicht wirklich eine finanzielle Belohnung, es ist reine Leidenschaft und das Erreichen eines persönlichen Ziels."