Slalomtraining
Im Frühjahr trainieren viele Regattaprofis für die Events der Saison. Der Komponist Philipp Kümpel probiert im Selbstversuch aus, wie fit er im Slalom nach guter Vorbereitung zuhause und mit den Tipps der Profis im Trainingslager auf Teneriffa werden kann…

„Machen sie bitte einmal die Beine breit... ich muss ihnen dort einmal wischen.“ Etwas seltsam war mir schon zumute als der unformierte Mann mir mit einem feuchten Tuch an seltsamen Stellen rumstrich. Erweckte mein Surferpulli mißtrauen? Oder war es vielleicht das große Windsurf-Gepäck? Jedenfalls sah ich anscheinend so aus, als ob ich offensichtlich Sprengstoff am Körper tragen könnte.

Nun ja, Sprengstoff bot eher das Ziel meines Reise. In diesem Frühjahr flog ich zum Slalomtraining mit dem Black Team von Point 7 nach El Médano. Ich versuche zwar fit zu bleiben und bin so oft es geht auf dem Wasser, aber im vergangenen Jahr zeigte sich, dass es eben nicht reicht, um im Slalom gut mitfahren zu können. Und jenseits der 40 schonmal gar nicht.

Slalomtraining

Dieses Jahr hatte ich mich daher sehr konsequent auf die Zeit auf Teneriffa vorbereitet. Jeden zweiten Tag ging es in Deutschland in ein Fitnesstudio, wo ich allerhand Gewichte bewegen mußte. Nach einem Tipp von Worldcupper Andrea Chucci riss ich auch noch an den freien Tagen mit dem Fahrrad Kilometer ab, damit das Cardiotraining und die Ausdauer nicht zu kurz kommen. Meinem Körper tat das sichtlich gut, aber würde ich das auch auf dem Wasser merken?

Und dann stand ich Ende Januar am Strand von El Médano. Es stürmte mit 30-40 Knoten und das Slalomtraining war im vollem Gang. Einige GWA und World Cup Fahrer wie Gunnar Assmussen waren schon in denvorhergehenden Wochen hier und hatten etwas Pech mit dem Wind. Dafür bließ es jetzt um so heftiger. Sebastian Kördel, Nico Prien, Vincent Langer sind dabei und ich bin froh mit ihnen trainieren zu dürfen.

Point-7 Chef Andrea Chucci war mit Bruno Martini und seiner neuen großen Weltmeisterhoffnung Matteo Iachino angereist. Der zeigte sich gleich in absoluter Topform und gewann im Test Rennen um Rennen. Für mich hieß es aber erstmal mein Waveboard auszupacken, um damit über die Bucht von El Médano zu fliegen, da meine neuen Slalomsegel erst am folgenden Tag ankommen sollten.

Dann war es endlich soweit. Der Sturm hatte sich gelegt und pünklich um 10 begann das TWS Slalomtraining. In der Nacht hatte ich noch meine Segelnummer auf die neuen Point 7 AC 2016 Segel geklebt und per Sticker meinen Homesponsor Surfshop24 glücklich gemacht.

Slalomtraining

Da standen sie nun, all die Schrankwände: Sebastian Kördel, Vincent Langer, Andrea Chucci, Matteo Iachino und viele andere PWA Fahrer. Und mit denen Zusammen sollte ich nun auf den Parcours...

Zunächst hieß es hochkreuzen zum Startboot. Der Wind war mit 10-14 Knoten eher leicht. Ich hatte das Gefühl das mein Körper gut trainiert war und das große 8,6er Racesegel fühlte sich viel leichter an, als all die Jahre zuvor.

Die Fahne ging hoch, die Regattauhr wurde in drei Minuten gesetzt und dann gab es ein wirres durcheinander. Jeder versuchte natürlich beim fliegenden Start genau auf der Sekunde Null über die imaginäre Startlinie zu brettern. Es fühlt sich an wie in einer Horde Jungbullen. Überall wird geschrien und um den bestmöglichen Platz gekämpft. Ich bin gut losgekommen. An der Halsentonne, ich lag im Mittelfeld, hat mich jedoch der Mut verlassen.

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Mit Vollspeed in die Halse zu gehen, ohne zu wissen was der Vordermann nur einen Meter vor einem tun wird, macht Angst. Ich bin daher eher einen weiten Bogen um die Herde gefahren. Und siehe da, ein paar waren gestürzt und am Ende des Rennens war ich nicht letzter geworden. Leider fiel danach der Wind unter das nötige Limit und es gab keine weiteren Rennen mehr. Doch in den nächsten Tagen geht es weiter.

Das Wintertraining hat sich definitiv gelohnt, aber was macht die Profis wirklich so schnell? Kann sich ein Amateur dort wertvolle Tricks abschauen?
Mehr dazu im nächsten Teil.

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