Sturmtief
Vergangene Woche bemerkten wir, dass ein Sturmtief heraufzog und es im Vorweg vermutlich gute Bedingungen in Klitmöller geben würde. Was es eventuell für Auswirkungen auf den Heimweg haben könnte war uns zu diesem Zeitpunkt natürlich ziemlich egal.

Beginnen wir jedoch von vorne…
Oli Maier und ich konnten uns den Freitag und Montag mehr oder weniger freischaufeln, so dass wir letztendlich um 15 Uhr aus Kiel aufbrechen konnten. Die Vorhersage sah fürs Muschelriff in Klitmöller ganz gut aus und am Montag sollte der Wind eventuell etwas kräftiger blasen. Allerdings sind Langzeitprognosen sowieso nicht wirklich verlässlich…
Mit dem Gedanken „Wir müssen heute unbedingt noch aufs Wasser“ und diversen Überlegungen wie man bei Dunkelheit noch surfen gehen könnte, paddelten wir in Agger gegen 18:00 letztendlich in die Dunkelheit. Machen wir uns nichts vor, da ging nichts!

Trotzdem waren wir froh, endlich mal wieder in der Nordsee zu sein und stellten fest, dass ein 5/3er Neopren Ende Oktober vollkommen ausreicht. Außerdem sahen die nächsten Tage vielversprechend aus. Wir nahmen es mit Humor.
Sturmtief
Der nächste Morgen in Klitmöller ließ jedoch zu wünschen übrig, kleine Wellen und nicht allzu viel Wind ließ uns den Kaffee langsamer trinken, in der Hoffnung, dass Wind und Wellen derweil zunehmen würden. Die Wellen wurden im Laufe des Vormittags tatsächlich deutlich besser, jedoch war es noch ein Stück von dem entfernt, was wir uns vorgestellt hatten. Mein 4.2er war nach einiger Zeit etwas zu klein und ich entschied mich kurz die Kamera von Oli zu holen um ein paar Fotos zu machen.

Der Wind frischte kurzzeitig noch einmal auf, so dass Oli Druck im 4.4er hatte, ehe der Wind sich für diesen Tag verabschiedete. Nach einer kurzen Mittagspause hatten wir das Warten satt und paddelten in die Bucht von Klitmöller, um ein paar Wellen zu erwischen. So ging der erste Tag in Klitmöller doch noch zufriedenstellend zu Ende.

Sonntag und Montag sahen nach wie vor sehr gut aus, die Vorhersage schien sich zu stabilisieren.
Der Sonntag begann ähnlich, jedoch war der Wind dieses Mal cross-offshore und somit sehr böig. In Luv schien es so, als würden ab und zu ganz nette Wellen reinlaufen, also rein in den Neo und ab aufs Wasser. Für eine Stunde war es sehr schön. Allein das Gefühl parallel zum Strand die Welle entlang zu fahren und zu sehen wie sie immer steiler wird, machte mich mehr als zufrieden.

Der Wind ging sehr schnell wieder runter, so dass Oli mit seinem 4.4er vom Wasser ging um nochmal eben die Kamera raufzuhalten. Ich dümpelte noch eine Weile hin und her, um mich ab und zu mal in eine Welle zu pumpen. Später hörten wir dass es an diesem Tag in Agger sehr gut gewesen sein soll. Naja, mal verliert man und mal gewinnen die anderen oder wie war das?
Sturmtief
Beim Checken der Vorhersage hatten wir uns immer auf die Region Thy konzentriert und so wäre uns das massive Sturmtief im Süden beinahe entgangen. Von der Westküste zur Ostküste Dänemarks war das gesamte obere Ende der Farbscala abgebildet, Farben die man so noch nie gesehen hat. Am Abend trafen wir uns mit Nico und Jascha und verfielen in eine nicht enden wollende Diskussion, mit einigen echt bescheuerten Argumenten, wo man denn nun hinfahren sollte. Vielleicht doch Richtung Süden, dem Sturm entgegen fahren oder in Klitmöller warten und hoffen, dass es für ein paar Stunden fahrbar wäre, bevor der Wind aus allen Richtungen zuschlagen würde. Am Ende war es so spät, dass keiner mehr Lust hatte Auto zu fahren und so blieben wir in Klitmöller.

In der Nacht zu Montag begann der Regen und endete…eigentlich gar nicht. Es regnete den ganzen Montag ohne einen Hauch Wind in der Luft, weder in Klitmöller, noch in Nörre und schon gar nicht in Agger. Es war als hielt das Wetter die Luft an. Wir trafen auf Steffi und Dominik und fuhren gemeinsam umher auf der Suche nach der besten Welle. Nico und Jascha verzogen sich bereits am Morgen Richtung Süden, weil sie keine Lust auf Wellenreiten hatten und hofften dem Sturm entgegen fahren zu können.
Wir vier entschieden uns dann doch nochmal Nörre abzuchecken und wurden mit schönen Wellenreitbedingungen belohnt. Die Atmosphäre war der Wahnsinn, zwar regnete es, doch die Wellen waren clean und der Wind wehte leicht offshore. Ich glaube diese Situation lässt sich mit „Die Ruhe vor dem Sturm“ ganz gut beschreiben. Plötzlich, aus dem Nichts, kam der Wind aus südlicher Richtung.

Vollgas wieder zurück nach Agger, kurz über die Düne geguckt: Wind! Ab zur Mole und dann war der Wind auch schon wieder weg. Wir trafen auf Daniel Jamaer der die Gunst der Stunde genutzt hatte und mit 3.7 kurzzeitig richtig Spaß hatte und uns mit einem zufriedenen Grinsen entgegen kam. Er versuchte es dann noch ein- zweimal mit 3.7 durch den Shorebreak zu kommen, doch der Wind war einfach zu schwach.

Nach dieser Aktion traten wir dann den Heimweg an um direkt in den Sturm zu fahren...
Sturmtief
Ab Kolding ging plötzlich nichts mehr, nach 1,5 Stunden Stillstand auf der Autobahn versuchten wir über Nebenstrecken Richtung Deutschland zu kommen. Hier wurde uns erstmals bewusst, dass „Christian“ ganz schön gewütet haben muss, umgeknickte Bäume zeichneten den Weg. Kurz vor Flensburg ging es wieder auf die Autobahn voller Vorfreude gleich ins Bett zu fallen stieg die Stimmung wieder. Grenze überquert und…Stau!

Vollsperrung der A7 und die Brücken über den Nord-Ostsee Kanal sollen auch dicht sein. Es war bereits 21 Uhr und die Stimmung erreichte ihren Tiefpunkt. Erneut wichen wir auf Nebenstrecken aus.
Von Flensburg nach Schleswig und dann über Eckernförde nach Kiel war der Plan. Überall lagen riesige und auch junge Bäume zum Teil noch auf der Straße teilweise einfach entwurzelt. Anhänger lagen umgekippt am Straßenrand. Im Radio hörten wir, dass der Sturm hierzulande mit bis zu 170 km/h rüber gefegt war. Nach 9 Stunden, statt geplanter 4 Stunden Fahrt erreichten wir endlich Kiel.

Trotz dieser Strapazen auf der Rückfahrt, waren wir uns einig, dass der Trip sich durchaus gelohnt hat. Zwar waren die Bedingungen vielleicht nicht so gut wie erhofft, aber wahrscheinlich immer noch besser oder vielleicht fahrbarer als alles andere.

Still loving Denmark and really looking forward!