Aufblas Blues & Finnen Fiasko
Aufblasbare Boards sind momentan der Renner im SUP-Bereich. Leicht zu transportieren und am Strand schnell einsatzbereit. Dass dabei nicht immer alles so verläuft, wie es eigentlich sollte, beschreiben wir in unserer Glosse.

Vorfreude
Ein kurzfristig vor Weihnachten gekauftes SUP-Vorjahresmodell sollte der treue Wassersportbegleiter für einen Urlaub auf den Balearen sein. Bei der leider ungünstigen Windvorhersage stand kurz vor Abflug ein Besuch im Surfshop an, um eine passende Flautenalternative im Gepäck zu haben.

Mein letztes neues Equipment hatte ich vor Jahren gekauft und der alte Twinser versieht immer noch treu seine Dienste. Das Ding ist ein sehr guter Beweis für die mittlerweile hohe Fertigungsqualität bei Windsurfprodukten. Als ich jetzt knapp tausend Euro für das neue aufblasbare Spielzeug über den Ladentisch schob, hatte ich volles Vertrauen in die Industrie.

Ich hatte mich für ein aufblasbares SUP Board einer namhaften Marke mit Thruster Finnen Setup und ein dreiteiliges Paddel entschieden. Die geringen Packmaße machen den Transport sehr einfach. Das Board kann leicht im mitgelieferten Rucksack transportiert werden und passt auch in den Kofferraum eines Fiat 500. - So die Theorie.

„Wo ist denn ihr Surfboard?“
Beim Check-In wird der etwa ein Meter lange Rucksack neugierig beäugt und dann schnell abgefertigt. Noch nie bin ich mit einem Surfboard so entspannt gereist. Während unseres Weihnachtsurlaubs im Norden Mallorcas wollte ich die Küste erpaddeln, denn Wind war zu dieser Zeit nicht zu erwarten.

Aufblas Blues & Finnen Fiasko
25. Dezember 2015. Das Mittelmeer liegt türkisgrün vor mir. Kein Windhauch kräuselt die Wasseroberfläche. Es ist einfach der perfekte Tag, um das SUP Board auszuprobieren.

Der Nutzen der neuen Technologie will aber auch erst erarbeitet werden. 18 PSI Luftdruck will das Brett haben, bevor es sich von einem schlaffen PVC-Sack in ein formstabiles Board verwandelt. Ich pumpe schwitzend.

Mir fällt auf, dass der Schriftzug des brandneuen Markenproduktes sich bereits vor der ersten Nutzung ablöst. Und mit jedem Pumpschwung starre ich unfreiwillig auf den schief und faltig aufgeklebten Markensticker auf der Pumpe. Irgendwie passt das nicht in diesen eigentlich perfekten Tag.

Endlich, der Zeiger des Manometers berührt die 18. Ich ziehe den Schlauch und das Ventil faucht kurz in die weihnachtliche Ruhe, bevor es schließt. Jetzt noch schnell die Finnen reinschieben. Ich weiß, wie man Finnen montiert, schließlich surfe ich seit 30 Jahren. Aber hier erlebe ich mein Waterloo.

Die Finnen passen nicht. - Ungläubiges Staunen. - Ein neuer Versuch. - Es geht nicht!

Mit etwas Gewalt gelingt es, eine Finne etwa 5 Millimeter einzuschieben. Ich suche den Fehler bei mir. Ich kann mir noch nicht vorstellen, dass ein renommierter Hersteller derart große Fertigungstoleranzen hat, dass ein Produkt schlicht nicht montierbar und demnach nicht nutzbar ist. Sollte so etwas nicht durch eine Endkontrolle verhindert werden?

Vielleicht ist der Druck so hoch, dass sich die Kästen verbiegen? - Ich lasse etwas von dem mühsam erarbeiteten Druck ab und versuche es erneut. No way. - Ich pumpe das Board wieder auf 18 PSI auf und ziehe den Schlauch. Pfffffffffffffffff. Das Ventil schießt nicht. Der Druck ist schneller weg, als ich es schaffe das Ventil in den Auto-Lock Modus zu drehen. Ich hatte vergessen das Ventil vor dem Pumpen wieder in Pump-Position zu drehen.

Ich pumpe. 18 PSI. Zum dritten Mal. Meine Augenbraue zuckt nervös. Meine Mimik imitiert unfreiwillig Sid aus dem Film Ice Age. Das T-Shirt klebt am Körper. „Fuck, was brauche ich ein Fitness Studio, pumpen kann ich schließlich auch am Strand.“ Galgenhumor. Ich halte inne und ziehe schwer atmend den Schlauch. Das Ventil faucht zum Glück nur kurz.

Aufblas Blues & Finnen Fiasko

Weihnachtliche Wut: Ich - will - jetzt - aufs - Wasser!
Ich schütze meine Hände mit einem Handtuch und beginne die Finnen in den Kasten zu schlagen. Zeitweise nutze ich die Pumpe als Hammer. Mir ist klar, dass es noch mehr Mühe kosten wird, die Finnen wieder zu entfernen. Aber Scheiß drauf! Und wenn ich die Finnen hinterher absägen muss, um es heimzubringen.

Unter den interessierten Blicken der erfreulich wenigen anderen Strandbesucher liege ich fast auf dem Board und versuche die Finnen in die Slots zu pressen. 95 Kilo menschliches Lebendgewicht rutschen schweißnass und stöhnend auf dem teuer erkauften Board herum.

Eine kleine Ewigkeit später stecken nach zahllosen Schlägen aufs Material zwei Finnen zu 50% in den Kästen und die Center Finne zu 90%. Ich wollte doch nur am Weihnachtstag mit einem Premiumprodukt für knappe 1000 Euro paddeln und jetzt bringt mich dieser Zustand um meine wertvolle Freizeit. Ich fahre nicht häufig in Urlaub und bin jetzt sauer und traurig.

Flucht aufs Wasser
Nachdem ich eingesehen hatte, dass die Finnen nicht vollständig montierbar sind, gehe ich mit halb herausstehenden Spurhaltern aufs Wasser.

Das Meer ist so klar, dass ich jedes Detail am Grund erkennen kann, vollkommen mühelos bewege ich das Board über das Meer. Ich steuere eine Insel an, Kormorane tauchen um mich herum. Die Ruhe ist vollkommen. Das ist das Erlebnis, dass ich haben wollte.

Nach dem Paddeln holt mich das Problem leider wieder ein. Es gelingt mir einfach nicht, die Finnen wieder aus den Kästen zu schieben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Finnen naturgemäß hinten scharf sind und genau hier muss angesetzt werden, um sie bei diesem System zu entfernen.

Richtig zusammenrollen lässt sich das Board mit montierten Finnen nicht mehr und selbstverständlich passt es so auch nicht mehr in den Transportsack. Ich schultere also das halb zusammengerollte unhandlich schlaffe Board, das Ende mit den Finnen liegt auf meinem Rücken. Wir hatten nicht direkt am Wasser geparkt, da das Board im Rucksack ja so gut transportierbar ist. Das Board jetzt als unhandlichen Klumpen den weiten Weg zu schleppen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Als ich das Strandcafé passiere wird gekichert. Ein schlaffes Surfboard sieht scheinbar lustig aus. Ja, aus dem Ding ist die Luft raus, das kann ich bestätigen.

Heiße Nummer
Ich schreibe eine E-Mail an den Shop und bemühe mich um einen sachlichen Ton. Die Antwort kommt am ersten Arbeitstag nach Weihnachten. Dem Shop tut es tierisch leid, hätten wir doch ausprobiert die Finnen zu testen, denn bei einem Demoboard war es zu demselben Problem gekommen.

Damit ich die Finnen wieder lösen kann, soll ich mit einem Fön die Kästen so stark erwärmen, dass man sie kaum noch anfassen kann. Auch bei durch Lagerung verbogenen Kästen soll die Heißluftnummer helfen. Mit viel Kraft, einem Holzhammer und materialstrapazierendem Gezerre kann ich die Finnen schließlich lösen und das Board kann im Rucksack wieder nach Hause gebracht werden. Die Centerfinne ist so weich, dass sie sich durch die Aktion verbogen hat. Der Shop will die Finnen jetzt so bearbeiten, dass sie passen.

Fazit:
Ich finde die Aufblas-Boards als Konzept immer noch großartig und auch an den Fahreigenschaften eines luftgefüllten Boards gab es keine Kritik. Im Idealfall sollten sich solche Probleme sicherlich durch eine entsprechende Endkontrolle des Herstellers vermeiden lassen.

Ausreißer sind aber dennoch immer möglich, dazu sind die Fehlerursachen zu vielfältig. Eine Sichtkontrolle durch den Kunden (wie in diesem Fall) reicht nicht aus. Auch wenn es lästig sein kann und Zeit kostet, kann eine komplette Prüfung des Artikels vor dem Kauf helfen Ärger zu vermeiden.

Wer das beachtet, kann entspannt in einen Urlaub ohne Überraschungen starten.