Surfing. 1778 - 2015
Der Taschen Verlag hat mit „Surfing. 1778-2015“ ein wunderbares Buch über die Geschichte des Wellenreitens aufgelegt. Wir haben uns die sieben Kilo schwere Zeitmaschine angesehen.

Erinnert ihr euch noch daran, wie Bilderbücher gewirkt haben, als ihr im Kindergartenalter wart? Schon das Umblättern war aufgrund des absurden Verhältnis der Seiten zur eigenen Körpergröße ein echtes Erlebnis.

Das Buch „Surfing. 1778-2015“ von Jim Heimann beschert auch Erwachsenen dieses schöne Gefühl wieder. Dieses Buch liest man nicht. Man taucht ein...
Surfing. 1778 - 2015
600 Seiten sorgen in einem Format von etwa 40,5 cm x 29 cm für 7 Kilo Gewicht und jede Menge physische Präsenz. Aufgeschlagen hat das Buch Posterformat. Der Ausklapper in der Buchmitte breitet sich auf geradezu hysterische ein Meter sechzig aus. Dass der Taschen Verlag der Geschichte des Wellenreitens so ein dekadentes, aber angemessenes Format spendiert hat, ist beeindruckend. Aber kann die Qualität des Inhaltes mithalten? Die Antwort ist einfach: ja!

Die Fotos des Bildbandes sind so groß und so gut gedruckt, dass sie wie Fenster in andere Epochen erscheinen. So beschrieben, mag das banal klingen, aber die Wirkung der etwa 900 Bilder ist tatsächlich frappierend. Damit wird ab der ersten Seite lebendig begreifbar, dass das Surfen eine großartige Kultur hat.

Das wissen natürlich viele, es aber emotional zu begreifen ist eine andere Sache. Das Buch ist eine Erinnerung an die vielen magischen Momente im Lineup und gleichzeitig auch ein Versprechen über die vielen guten Momente, die das Surfen noch bringen wird.
Surfing. 1778 - 2015
Und gerade im Zeitalter der schnellen Info zwischendurch, die auf den winzigen Bildschirmen der Smartphones und Tablets flüchtig konsumiert wird, ist dieses Buch ein sehr wirkungsvoller Gegensatz. Es kann nur langsam und in Ruhe geblättert werden. Und es ist physisch da, auch wenn es nur im Regal steht und Raum einnimmt.

Und irgendwie sagt es ständig: „Wann warst Du eigentlich das letzte Mal surfen?“ In dem Sinne ist das Buch ein subersives Schwergewicht im Zeitalter der Selbstoptimierung, der Effizienzsteigerung und der Überstunden.

Trotz der Größe kann das Buch natürlich nicht alle Aspekte widerspiegeln, nicht jede Persönlichkeit des Wellenreitens erwähnen. Jim Heimann stand vor der geradezu fürchterlichen Aufgabe aus abertausenden von Bildern die wichtigen bekannten und die wichtigsten unbekannten auszuwählen und zu kombinieren. Diese überlegte Auswahl sorgt so aber auch bei Kennern für Aha-Momente, wenn vollkommen unbekannte Bilder neue Eindrücke vermitteln.
Surfing. 1778 - 2015

Der Text des Buches ist in englischer Sprache gedruckt und behandelt das Surfen ab 1778. Der deutschsprachige Text wird in einem unbebilderten Begleitband mitgeliefert. Das nicht ganz so elegant, aber durchaus in Ordnung. Tja, und wo wir gerade schon Klartext reden, ist das auch der Zeitpunkt vom Preis des Buches zu sprechen. 150 Euro kostet es.

Das ist richtig viel Geld. Aber es ist auch ein Buch, das jeden Umzug mitmachen wird wie ein Familienalbum. Und irgendwie ist es auch genau das. Das Album einer Familie, die vor einigen hundert Jahren zu leben beginnt und zu der automatisch jeder gehört, der selber surft. In meinem Regal hat diese große Familie über dieses Buch jetzt einen adäquaten Platz gefunden.

Surfing. 1778–2015
Autor: Jim Heimann
592 Seiten, Hardcover, in Leinen gebunden
Preis: 150 Euro
ISBN 978-3-8365-3756-8

Surfing. 1778 - 2015