Verletzungen - Ein Erfahrungsbericht von Frank Bauer

So schön unser Sport ist - leider gibt es nicht nur tolle Momente... So erging es auch mir, als ich Anfang Februar in Melkbos bei einem unglücklichen Abgang aus ein paar Metern Höhe kopfüber ins Segel gecrasht bin. Das Resultat waren mehrere gebrochene Halswirbel mit notwendiger OP vor Ort im Blouberg Hospital, bei der Edelmetall und ein Bandscheibenimplantat verbaut wurden. In der Summe habe ich richtig viel Glück gehabt und bin dankbar, dass ich mich noch bewegen darf und nur einige Finger leicht taub sind, was aber hoffentlich auch noch weiter verschwindet.

Ich würde gerne ein paar Tipps loswerden, wie man im Ernstfall vorgehen kann. Wenn dadurch nur in einem einzigen Fall geholfen werden kann, wäre der Zweck dieses Artikels schon erreicht.

Vorbereitung:
1. Versicherung checken: Seid ihr bei Auslandsreisen krankenversichert? Diese Versicherung ist oft schon in den Leistungen der Kreditkarte enthalten, wenn die gesamte Reise damit bezahlt wird (Dabei überprüfen: Was ist bei Einzelbuchungen von Flug und Unterkunft).

Der Schutz bei Auslandsreisen ist jedoch nicht zwingend bei der normalen Krankenversicherung enthalten. Eine solche Zusatzversicherung kostet nur ein paar Euro und lohnt sich unbedingt. Ihr solltet die Telefonnummern der Kasse rausschreiben und am besten als Kontakt ins Handy übertragen. Das ist übrigens auch für die lokale Seenotrettung zu empfehlen. Denn wenn es einmal passiert ist, wird alles Organisatorische viel schwerer.

2. Der ADAC scheint nach wie vor eine gute Adresse zu sein, um unkompliziert einen Heimtransport zu organisieren, wobei Auslandskrankenversicherungen den Rücktransport in der Regel auch mit abdecken. Bei mir funktionierte der Rücktransport letztlich mit einem Upgrade des ursprünglich gebuchten Fluges.

3. Lokale Ärzte/Krankenhäuser: Vorab solltet ihr euch zumindest grob informieren - wo und wie wäre im Ernstfall der nächste (empfehlenswerte) Arzt, bzw. das nächste Krankenhaus zu erreichen? Wenn man sich in einem Land ohne gute ärztliche Versorgung befindet, gilt das um so mehr. Generell kann man im übrigen sagen, dass die ärztliche Versorgung in der Region Kapstadt wirklich sehr gut ist, auch die deutschen Ärzten haben bei mir das Vorgehen und die Versorgung in Kapstadt als sehr gut und richtig eingeschätzt.

Am Spot:
1. Besser immer ein Handy dabei haben, ggf. im Auto verstecken (sollte man Angst vor Diebstahl haben). Gleiches gilt für eine Kreditkarte, ohne die in vielen Krankenhäusern im Ausland erst mal gar nichts geht! (Auch nicht bei Notfällen!)

2. Geht nicht alleine aufs Wasser und schon gar nicht wenn es dämmert oder und man weit von der "Zivilisation" entfernt ist. Achtet aufeinander, auch auf fremde Surfer, die möglicherweise in Problemen stecken.

3. Falls man doch mal alleine sein sollte und es schon spät ist: Neue oder und risikoreiche Manöver lieber vermeiden.

Verletzungen - Ein Erfahrungsbericht von Frank Bauer

Wenn etwas passiert:
1. Wenn möglich nach einem Crash so schnell es geht zum Material und dort festhalten. Das ist besonders wichtig, wenn Bewusstsein oder Gleichgewicht nicht mehr voll da sind (z.B. nach einem der häufiger vorkommenden Stürze aufs Ohr).

2. Wenn möglich und nötig, andere um Hilfe bitten. Habt keine falsche Scheu nach dem Motto "geht schon“. Oft ist im ersten Moment nach einem Unfal das Ausmaß nicht wirklich bewusst. Also lieber zu früh um Hilfe bitten, als zu spät.

3. Speziell rate ich, wie in meinem Fall nach einem Sturz auf den Kopf, sensibel zu prüfen: Gibt es Probleme beim Laufen? Gibt es Taubheitsgefühle in den Armen, Händen, Beinen oder Füßen? Diese sind extrem ernst zu nehmen, ebenfalls Schmerzen im Bereich Hals/Nacken oder auch in der unteren Wirbelsäule.
Wenn es hier Beschwerden gibt, unbedingt so wenig wie möglich bewegen. Lasst euch helfen. Wenn etwas beschädigt ist, kann schon eine unglückliche Bewegung zum Desaster führen. Ich hatte diesbezüglich riesiges Glück.

4. Auch wenn es eher ungeil ist, wie Peter Garzke vor Ort sinngemäß so treffend bemerkt hat: Holt im Zweifelsfall lieber einen Krankenwagen zum Spot.

Ich drücke wirklich die Daumen, dass die Tipps niemand braucht und falls doch, dass der oder diejenige genauso viel Glück im Unglück hat wie ich. Seid euch bewusst, dass es manchmal auch schnell schief gehen kann.

Ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal ganz herzlich bei den ganz vielen Freunden und Unbekannten bedanken, die mir vor Ort geholfen haben und meine Familie und mich auch in der Folgezeit unglaublich unterstützt haben und dies auch immer noch tun. Es ist toll, dass es euch gibt! Gleiches gilt auch für meinen Schutzengel. Dir geb ich auch noch einen aus :-)

Jemand ist auch direkt hinter mir gefahren und müsste das auch gesehen haben. Derjenige hat sich auch noch nach mir erkundigt: Wenn du dich erinnerst, melde dich bitte gerne noch einmal bei mir. Meine eigene GoPro hat genau das nicht aufgezeichnet - aber das ist vielleicht besser so...

Wer schon mal eine ähnliche Verletzung im Bereich Halswirbel hatte, kann sich auch gerne bei mir melden zum Erfahrungsaustausch, inwiefern man damit umgeht und wieder fit wird. Hier könnt ihr mich erreichen: info@ezzysails.de.