Moulay Bouzerktoun - Marokko
Das Trainer und Profisurferduo Tom und Yoli Brendt halten regelmäßig Fahrtechnikseminare an wind- und wellenverwöhnten Spots rund um unseren blauen Planeten ab. Ein Spot hat sich dabei fest in den Tourkalender eingebrannt: Das Surfmekka Moulay in Marokko ist ein Ziel, bei dem Tom immer wieder ins Schwärmen gerät, so auch in diesem Frühjahr.

Reifenquietschen und der harte Gegenschub zur Abbremsung der gerade gelandeten Boeing rissen mich aus allen Träumen - im ersten Moment musste ich kurz überlegen in welcher Maschine ich mich gerade befand.

Dank des islandischen Vulkans Eyjafjallakogul kam mein kompletter Reiseplan durcheinander, aber ich durfte nach meiner Anreise von der Isla Margarita nach einem kurzen Zwischenstopp im zu dieser Zeit noch kühlen Deutschland gleich in die nächsten Maschinen Richtung Nordafrika steigen.

Dank nur halbgefüllter Maschine kam ich ziemlich ausgeruht am Al Massira Flughafen in Agadir/Marokko an. Die extrem unkomplizierte Passkontrolle und die Tatsache, dass mein komplettes Equipment bereits auf dem Gepäckband seine Runden drehte, machte mich dann doch etwas stutzig.

Die ausgiebige Gepäckkontrolle, ein von seinen wenigen Deutschkenntnissen in ein immer lauter werdendes Arabisch abdriftete Geldwechsler vor einer Gruppe All Inclusive Touristen und nicht zuletzt der Fahrer, welcher mit meinem Namen auf einem Schild nach mir Ausschau hielt, reichten mir dann doch als Beweis, dass ich wohl am richtigen Platz angekommen war.

Moulay Bouzerktoun - Marokko
Los ging die gut dreistündige Autofahrt durch die Berge des Atlasgebirges und weiter entlang der Küsten Marokkos in Richtung Essaouira. Schon bei meinem Event im Vorjahr war mir klar, dass ich unbedingt wieder in den Norden Essaouiras, nach Moulay Bouzerktoun reisen würde - zu gut waren die Erinnerungen, auch an die erstklassigen Wellen-Bedingungen.

Als Basislager für die zweite Auflage unseres 'Windsurflabor.de Wave Specials' hatten wir erneut das touristische Essaouira gewählt, denn außer den beiden kleinen Windsurfcentern und dem Cafe Resto ist das kleine Dörfchen Moulay Bouzerktoun noch alles andere als eine Touristenhochburg.

Der Ort ist unter anderem die Heimat des Worldcup Profis Boujma Guillol, welcher neben dem Magic Fun Afrika Center des Franzosen Bruno Erbani die zweite Windsurfschule im Ort besitzt.

Bei der täglichen Anfahrt von Essaouira muss man sich immer wieder den Weg durch Ziegenherden und vorbei an Eselgespannen bahnen, bevor man es sich im ersten Stock des Magic Fun Centers, in welchem sich das Cafe Resto befindet, gemütlich machen kann.
Bei Kaffee und Snacks bietet sich von hier aus eine unglaubliche Aussicht über die gesamte Bucht und die sauber hereinrollenden Wellen.


Moulay Bouzerktoun - Marokko
Sobald die Flut einsetzt und das Wasser die riesige Riffplattform bedeckt, braucht man nur noch wenige Treppenstufen abwärts zu seinem Windsurfmaterial steigen und ist dann nur noch ein paar Schritte von den ersten Wellenritten entfernt.

Der Spot ist erstklassig: die Wellen brechen bei Ebbe entlang des Riffs und bei Flut über dem Riff, wobei sie sich nicht selten zu extrem langen rechtslaufenden Wasserbergen auftürmen. Ein ziemlich breiter Channel zwischen den Felsen macht den Ein- und Ausstieg zu einem nicht allzuschwierigen Unterfangen.

Die Gäste unserer Clinic, welche aus Norwegen, Dänemark, Holland, Polen und Spanien angereist kamen, um entweder ihr Waveriding zu verbessern oder ihre ersten Schritte überhaupt in den Wellen zu wagen, starrten trotzdem mit etwas Respekt auf die sauber hereinrollenden Lines.

Nach den ersten kleinen Startschwierigkeiten konnten sich dennoch alle an ihre ersten Moves auf der Welle herantasten, beziehungsweise die Kraft der Wellen nutzen, um sich in die ersten kleinen Aerials zu katapultieren.
Moulay Bouzerktoun - Marokko
Einmal mehr erkannte ich, weshalb Moulay immer wieder als einer der Top Wave Spots Marokkos angepriesen wird und weshalb es die richtige Entscheidung war, unsere Clinic erneut an diesem Ort auszutragen.

Um den nach einem anstrengenden Windsurftag ziemlich ermüdeten Wellenkriegern die kulturelle Vielfalt Marokkos aufzuzeigen, machten wir uns abends auf in Richtung Medina, dem historischen Kern Essaouiras, um in den unzähligen Gassen der verwinkelten Altstadt das ein oder andere arabische Restaurant zu finden.

Mit Erfolg, aber nachdem wir in den ersten Tagen regelmäßig 20-minütige Fußmärsche absolvierten, stimmten wir in der zweiten Wochenhälfte einstimmig für die Anreise mit dem Taxi - zu tief steckten uns die unzähligen Windsurfstunden in den Knochen.
Eine wirklich marokkanische Nacht bescherte uns Bruno Erbani, als er statt dem eigentlich geplanten BBQ zwei übergroße Kuskus-Platten anrichten ließ, welche in immenser Geschwindigkeit den Weg in die Mägen der ausgepowerten Horde fand.

Dieses marokkanische Grundnahrungsmittel, bestehend aus Hartweizengrieß und Hirse, garniert mit Huhn und zahlreichem Gemüse kam nicht nur Dank Bärenhunger extrem gut bei allen an.

Leider ging diese Woche viel zu schnell vorbei und nicht nur wegen dem Wave Classics Event, welcher nur ein paar Tage nach unserer Abreise starten sollte, wäre ich sicherlich gerne noch ein paar Tage länger geblieben. So blieb mir nur noch kurz vor der Verabschiedung Zeit, die Buchung für unser Wave Special 2011 festzumachen, denn dieser faszinierende Spot macht Lust auf ein alljährliches Wiedersehen.

Moulay Bouzerktoun - Marokko