San Francisco
Caro Weber war während des Winters in San Francisco und berichtet über die Windsurf-Möglichkeiten.

San Francisco wäre wohl nicht die Nr. 1 auf der Liste meiner Winter-Reiseziele gewesen, wenn mein Bruder Matze nicht zu dieser Zeit dort studiert und ich die Uni nicht gerade abgeschlossen hätte. Ich hatte also den Winter über viel Zeit, bevor es zum Sommer mit dem Ernst des Lebens beginnen sollte.

Ich hatte mir vorgenommen den Winter im wärmeren Ausland zu verbringen und so ging es zunächst nach San Francisco und nach kurzem, 5-tägigen Deutschlandaufenthalt weiter nach Kapstadt.

Nachdem ich mich ein wenig über San Francisco und die Möglichkeiten dort im Winter windsurfen zu gehen, erkundigt hatte, war ich skeptisch, ob es sich lohnen würde für 300€ (Hin- und Rückweg) zusätzliche Kosten das Surfgepäck mitzunehmen.

Ich entschloss mich schließlich für mein Wavematerial, da ja San Francisco schließlich am Meer liegt und es im Winter doch die ein oder andere “Schlechtwetterfront” mit Südwind geben soll.

Samstags früh um 4.30 war es dann soweit: Aufstehen und los in Richtung Frankfurter Flughafen, wo der Flieger um 9.45 in Richtung Staaten abheben sollte. Der Check-In mit Surfgepäck war zur meiner Überraschung schnell und unkompliziert erledigt. Nach über 25 h Reisezeit waren Benni und ich endlich angekommen und trafen auf unseren Bruder Matze, sodass wir zu dritt in Richtung Autovermietung aufbrechen konnte.


San Francisco

Das als “intermediate size” gemietete SUV stellte sich vor Ort - für unsere Verhältnisse - als “supersized” heraus: ein Dodge Durango. Ich war nach dem Flug tierisch kaputt und da ich als einzige von uns Dreien das Auto versicherungstechnisch fahren durfte, war uns etwas Bange, ob wir es überhaupt bis Berkeley schaffen würden. Immerhin passte mein Tripleboardbag ohne Murren am Stück ins Auto, was mir ein zufriedenes Grinsen aufs Gesicht zauberte.

Gleich am ersten Tag gab es etwas Wind, den ich nach ausgiebiger Besichtigungstour durch San Francisco, kurz vor Sonnenuntergang noch kurz genießen konnte. Dabei stellte sich heraus, dass der Stadtstrand von San Francisco wohl zu den anspruchsvolleren Spots gehört. Der Wind kam cross-onshore von rechts, begleitet von einem ordentlichen Swell und starken Strömung. Die Wellen ließen allerdings keinerlei Lücken erkennen und so war das Rauskommen mehr vom Glück abhängig als vom Verstand... Dennoch war es schön im kalifornischen Winter barfuß surfen gehen zu können.

Die nächsten Tage blieben leider windstill und so gingen wir in der Umgebung auf Entdeckungstour. Die Golden Gate Bridge, der Redwood National Park und der Tilden National Park wurden bestaunt und durchwandert. Die Natur ist schon sehr beeindruckend, nur an die Preise im Supermarkt mussten wir uns erst gewöhnen. Ein normaler Einkauf ist schnell doppelt bis drei Mal so teuer wie in Deutschland.

Zum Ende der ersten Woche gab es wieder etwas Wind. Dieses Mal aus Süd mit ordentlich Regen. Ich machte mich dennoch auf die Suche nach wellenbegeisterten Windsurfern. Irgendwo an der Küste von Ocean Beach/San Francisco bis nach Waddell Creek/Santa Cruz (immerhin gut 90 Meilen) musste es doch noch andere Windsurfen geben?!


San Francisco

Ich fand super Strände mit großartigen Wellen, aber keinen einzigen Windsurfer oder Wellenreiter. Da ich die Strömungen nicht einschätzen konnte und auch etwas Respekt vor dem hier lebenden weißen Haien hatte, entschied ich mich dagegen alleine aufs Wasser zu gehen. Etwas ernüchtert trat ich dann wieder den Heimweg an. Später sollte mir dann erklärt werden, dass bei solch einem Sauwetter meist niemand große Lust hat surfen zu gehen und Wind von Süd (also von Links) auch nicht die bevorzugte Seite der Windsurfer hier ist.

Am nächsten Morgen war es immer noch windig, ich hatte aber keine Lust wieder so viel zu fahren. Daher ging es direkt vor Ort auf die San Francisco Bay. Direkt in Berkeley, wo mein Bruder wohnt, gibt es einen Surf-Club, den ich auf dem Weg zum Wasser zufällig fand und wo ich recht viele nette und hilfsbereite Surfer traf. Zusammen mit Damis ging es dann in den Channel eine Runde Freestylen, was mit meinem 72l Quad nur begrenzt möglich war, aber super viel Spaß machte.



Damis erklärt mir dann auch, dass die meisten Windsurfer hier zumeist freestylen oder Slalom fahren, da es vor allem von April-September meist täglich thermischen Wind über der Bay gäbe. An diesem Tag habe ich mich echt geärgert nicht meinen Freestyler mitgenommen zu haben, da die Bedingungen echt gut waren. Aber wer hätte damit gerechnet, dass in San Francisco die wenigsten Windsurfer auf dem Pazifik unterwegs sind?

Die zweite Woche herrschte komplette Flaute. Dafür wurde das Wetter besser und wir unternahmen jede Menge Ausflüge in die Umgebung. Unter anderem ging es zum Point Reyes in der Hoffnung Wale zu beobachten. Auf Grund des diesigen Wetters konnten wir aber froh sein überhaupt bis aufs Wasser blicken zu können. Dafür freuten sich die Rehe, Seelöwen und die Kühe ob unserer spontanen Fotosession mit ihnen.


San Francisco

Die wohl schönsten Redwoods bekamen wir dann im Muir Redwood Monument zu sehen. Ein ganzer Wald voller unglaublich großer und schöner Bäume! Obwohl ich in Nordhessen am Rande des Nationalpark Kellerwalds aufgewachsen bin und große und alte Bäume kenne, war ich schon etwas sprachlos. Natürlich durfte auch ein obligatorischer Ausflug ins Weinanbaugebiet nicht fehlen. Der Wein schmeckte vorzüglich und so wanderte auch die ein oder andere Flasche in unseren Besitz.

Auf Grund des Windmangels und der Tatsache, dass es in Südkalifornien wesentlich wärmer ist als in San Francisco, beschlossen wir zum Ende unseres Aufenthaltes für ein paar Tage in den Süden zu fahren. Auf dem Weg nach St. Barbara legten wir einen kurzen Zwischenstopp in St.Cruz ein. Der Ort ist zwei Stunden von San Francisco entfernt und schon ein paar Grad wärmer. Großartig!

Den darauffolgenden Tag verbrachten wir in Santa Barbara, einem recht idyllischen Städtchen mit mexikanisch-mediterranen Charme, bevor wir weiter nach San Diego fuhren. In San Diego selbst hatten wir leider ein Motel in der Flugschneise des Flughafens, weshalb wir nur einen Tag blieben. Dort besichtigten wir allerdings noch Old Town, den Balboa Park und die Mission bevor wir erneut für einen Tag nach Santa Barbara fuhren.

Entlang der Küste ging es zurück und wir konnten immer wieder feststellen, dass es entlang der ganzen Küste super Wellenreitbedingungen gibt, die Leihpreise jedoch teilweise recht teuer sind (1h kostete je nach Ort ab 20$ aufwärts). Etwas suspekt erschien es mir jedoch vor der Kulisse unzähliger Ölplattformen ins Wasser zu gehen, welche entlang der Küste von Santa Barbara bis hinter Los Angeles vom Ufer aus zu sehen sind.


San Francisco
San Francisco

Am Ende der Woche liefen wir noch einmal über die Golden Gate Bridge bevor es am Samstag früh hieß: Zurück nach Deutschland und Sachen packen für Kapstadt..

Wenn ich noch ein Mal nach Kalifornien reisen sollte, werde ich sicherlich zur “windigen Zeit” wieder kommen, da die Spots entlang der Küste und an der San Francisco Bay reichlich Potential zeigen. Nicht umsonst gehört mit Waddell Creek einer der schönsten und besten Spots der Gegend zu einer der Austragungsorten der US Wettkampftour AWT.

Unterkünfte:
Über das Internet kann man immer sehr günstig Zimmer bei Motel One mieten. Preis: ca 90$ für ein Zimmer mit 2 Doppelbetten.

Essen:
Nahrungsmittel sind wesentlich teurer wie bei uns. Teilweise ist es günstiger Essen zu gehen, als zu kochen. Neben den üblichen Fast-Food Läden, gibt es auch “Gourmet” Burger-Läden, die man unbedingt ausprobieren sollte. Einen Ausflug ins Weinanbaugebiet ist absolut empfehlenswert.

Neben leckeren Weinproben in den vielen Bodegas, kann man in den meisten Keltereien auch sehr gut essen.

Windsurfen:
Flachwasser, Freestyle und Kabbelbedingungen findet man rund um die San Francisco Bay. Die angesagtesten Spots sind 5th Avenue in San Francisco, Crissy Field in San Francisco direkt neben der Golden Gate Bridge, Berkeley Marina und Alameda.
Für Wave-Bedingungen kann man direkt in San Francisco am Ocean Beach aufs Wasser, Stinson Beach nördlich von San Francisco, Pacifica etwas südlich von San Francisco (einfacher zu fahren als Ocean Beach), Half Moon Bay, Pescadero und Waddell Creek. Entlang der Küste gibt es noch unzählige andere Spots, die man über die Küstenstraße entdecken kann.


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