Teneriffa Special - Teil 4 | Südwestwind in El Médano

Es gibt diese seltenen Tage, an denen ein Spot auch bei einer untypischen Windrichtung funktioniert. Südwestwind in der Bucht von El Médano ist so eine Konstellation, die ich trotz unzähliger Aufenthalte auf Teneriffa bisher selbst noch nie miterleben konnte.

"Wellen wie mit dem Lineal gezogen", "Perfekte Down the Line Bedingungen" und "Little Hawaii" sind die Beschreibung, die man dazu erzählt bekommt.
Anfang März sah dann alles danach aus, dass sich genau diese Wetterlage einstellen sollte. Ein Tiefdruckgebiet schob sich von Südwesten her auf die Kanaren zu.

In El Médano weht der Wind dann schräg ablandig von rechts über den Strand, nahezu ungebremst über eine flache Ebene und beschleunigt von der Flanke des Montana Roja. Gleichzeitig beugen sich auch die Wellen auf der anderen Seite um diesen Berg herum und laufen in perfekter Formation in die sandige Bucht.


Teneriffa Special - Teil 4 | Südwestwind in El Médano

Dieses Mal lag allerdings eine besondere Spannung in der Luft, denn der Wind sollte wesentlich stärker wehen als sonst bei dieser Wetterlage. Ein schwerer Sturm mit bis zu 48 Knoten Windgeschwindigkeit rauschte heran, was die Inselregierung dazu veranlasste die drei höchsten Unwetterwarnstufen orange, rot und violett für verschiedene Regionen der Insel auszusprechen.

"Bei 30 Knoten sind letztes Jahr schon Dächer abgedeckt worden", meinte André. Was also würde bei 48 Knoten geschehen?
Vormittags präsentierte sich die Bucht vor der Strandbar 'Flashpoint' noch moderat mit schrägablandigem Wind fürs Viereinhalber und sauberen Miniwellen. Am Nachmittag legte der Wind zu und die Crew vom Katastrophenschutz pfiff alle Surfer zurück an Land. Es begann zu regnen, aber von den erwarteten größeren Wellen war noch nichts zu sehen.

Erst nach Einbruch der Dunkelheit legte der Sturm richtig los. Regentropfen prasselten so laut wie Hagelkörner gegen die Scheiben, der Wind heulte wie bei einem Orkan durch die Gassen und versuchte scheinbar alles loszureißen, was nicht niet- und nagelfest verzurrt war.


Teneriffa Special - Teil 4 | Südwestwind in El Médano

Am nächsten Morgen: Der winderprobte Ort hatte scheinbar alles gut überstanden, nur die Spuren des Sturzregens waren an diesem Montag nicht zu übersehen - knöcheltiefe Pfützen auf den Straßen, Stauseen in den Senken des Strandes und jede Menge Bodenerosion entlang der nicht befestigten Wege.

Aber viel wichtiger: Wie sah es auf dem Wasser aus? Und war Surfen überhaupt wieder erlaubt? Es war erlaubt, schon von weitem sah man die jetzt deutlich größeren Wellen.
Ein bis zwei Meter waren es je nach Set. Darauf jede Menge Windsurfer, eine Hand voll Kiter und weiter innerhalb der Bucht auch Wellenreiter. Der Wind wehte noch kräftig mit 6-7 Beaufort, sideoffshore von rechts.

Welle anpicken, auf Raumschotkurs die steilste Section anpeilen und eine Reihe von Cutbacks und Arials in die Lippe zimmern. Angesichts der Bedingungen wurde es schnell voll auf dem Wasser, nicht selten teilte sich ein Rudel von fünf Surfern eine der Wellen. Zwischendurch sorgte heftiger Regen und schwere Windböen für Platz auf dem Wasser.


Teneriffa Special - Teil 4 | Südwestwind in El Médano

Gegen Abend beruhigte sich das Wetter. Bei nur noch leichtem Wind eroberten jetzt die Wellenreiter die gesamte Bucht zurück. Der Sturm war überstanden. Die Windrichtung hielt sich noch einen weiteren Tag, meinem letzten beim diesjährigen Wintertripp nach Teneriffa.

Zurückblickend ein spannender Monat mit leider etwas wenig 'normalem' Passatwind, dafür Boardzeit an anderen Spots der Insel und Spaß bei Ausritten mit dem Mountainbike.
Für die Statistik: Mit ca. 50% Wind für Segel ab 5.3qm abwärts gab es in diesem Urlaub unterm Strich eine ordentliche Ausbeute.

Wer sich für einen Tripp auf diese Insel interessiert, dem können diese Websites weiterhelfen:
MedanoGuide.de
WindsurfingTenerife.com
Cabezo-Medano.com


<< zurück zu Teil 3