Leben und Reisen im Bus

Marc Frenzel machte sich vor und während einer Reise nach Tarifa Gedanken zum Reisen mit dem zum Campingmobil umgebauten Transporter.

Auf unserer Weihnachtstour vom hohen Norden Deutschlands nach Tarifa im Süden Spaniens machte sich die Idee in meinem Kopf breit, ein paar Tipps für den Busreisenden zusammenzufassen. Sozusagen als Alternative zum Fliegen mit dem Stress beim Übergepäck und der Sucherei nach Mietwagen und Apartments. Die Planung unserer Busreise ging schon einige Zeit vor Abfahrt los...

Ausrüstung und Umbau:
Ein mehrwöchiger oder sogar mehrmonatiger Trip im Bus stellt natürlich an den Ausbau andere Anforderungen als der Wochenendtrip zum nächsten Surfspot. Wer das entsprechende Kleingeld übrig hat, kann auch alltagstaugliche Hochdach-Kombis schnell über zugekauftes Equipment reisetauglich machen. Mittlerweile gibt es Inneneinrichtungen mit Bett, die sehr schnell montiert sind. Ein gutes Beispiel ist das "Ququq" System (www.ququq.info).

Folgende Überlegungen sollten vor dem Trip angestellt werden:

Welches Wetter erwartet mich?
Für einen Sommer am Mittelmeer kann man auf eine Standheizung verzichten, dafür kann man über die Anschaffung einer Kühlbox nachdenken. Genau anders herum sieht es aus, wenn man zum Wellenreiten nach Island fährt. Hier ist eine Standheizung fast lebenswichtig...

Wo kommt der (nasse) Surfkram hin?
Das Surfmaterial im Auto nimmt eine Menge Platz weg. Wir haben uns dafür entschieden, die Bretter (5 Windsurfboards, 2 Surfboards und ein SUP) auf das Dach zu laden und alles andere ins Auto zu quetschen. Nasse Neos kommen in eine Kiste (bei uns Ikea „sortera“) und warten dort auf die trocknende Sonne am nächsten Tag.

Welchen Komfort brauchen die Mitfahrer?
Heizung, Kühlschrank, Kocher, fließendes Wasser, Abwassertank, Campingklo, Bettzeug und Memoryschaummatratze? Viele Campingautos sind damit ausgestattet. Baut man seinen Wochenend-Surf-Transporter zum Langzeitcamper aus, überlegt man sich, auf was man aus Platz- und Kostengründen verzichten kann.

Neben einem vernünftigen Bett und einem Kocher ist für mich eine Heizung wichtig. Unausgeschlafen, hungrig und frierend ist die Laune schnell am Boden.

Beim Camingklo, gerade im engen VW-Bus ohne eigene Nasszelle, scheiden ich die Geister. Jeder, der schon mal bei Hagel und Gewitter mit brennenden Oberschenkeln in einer Düne gehockt hat, wird sicher nicht mehr ohne reisen wollen. Bei den Personen, die nach eine Vollbremsung die Windschutzscheibe von innen putzen mussten, sieht es vielleicht anders aus.

Nach langjährigen Erfahrungen kann ich aber sagen, dass ein original Porta Potti von Thedford am längsten „dicht“ hält. Preistipp: Einmal im Jahr bietet der Lebensmitteldiscouner Lidl äußerst günstig Campingtoiletten an. Hierbei handelte es sich bisher um original Porta Pottis ohne Markenbezeichnung.

Leben und Reisen im Bus

Ok, es geht los. Der große Tag ist gekommen, das Auto gepackt, Surfmaterial ist rings um das Auto befestigt, Verpflegung für den Trip ist eingeladen und los geht’s. Unser Navi zeigt entspannte 2998 Kilometer bis Tarifa an. Dabei geht es quer durch Deutschland, Belgien Frankreich und Spanien.

Thema Navi und Routenplanung:
Da es hauptsächlich über Autobahnen und Fernstraßen geht, reicht mir mein Smartphone mit kostenloser Navisoftware und Open Streetmap Karten von Mapfactor (für Android und Windows Mobile). Übernachtungsplätze kann man sich vorher wunderbar mit Google-Maps heraussuchen. Mit unseren Mitfahrern im anderen Bus haben wir uns deshalb im Baskenland verabredet. Ein schöner Platz in der Nähe von Zarautz soll der Treffpunkt werden

Während der Fahrt verkürzen uns diverse Hörbücher den Tag. Alle 400 km machen wir eine mehr oder weniger längere Pause zum Tanken, Essen und Gassi gehen für Hund und Mensch.

Nachts um eins, irgendwo in Belgien fahren wir einen Rastplatz an und legen uns für ein paar Stunden hin. Am nächsten Morgen geht es weiter in das Baskenland. Angekommen an unserem Stellplatz, erwarten uns riesige Wellen vor beeindruckender Steilküste. Während wir auf Knut und Diana warten, kochen wir uns etwas leckeres zum Abendessen und erkunden die Gegend. Nach der ersten Nacht, weckt uns das Getöse der Wellen zum Frühstück. Nach Croissant und Café Con Leche starten wir zur letzten Etappe, die uns einmal quer durch Spanien führt. Unterwegs lauschen wir Hape Kerkelings Erzählung vom Jakobsweg. Schon witzig, wenn man die Städte durchquert, die gerade im Hörbuch vorkommen.

Abends um elf Uhr erreichen wir den Parkplatz von Los Lances, auch bekannt als Landebahn. Diana und Knut erwarten uns. Sie haben weniger Pausen gemacht und hatten sogar schon Zeit ein paar Biere zu kaufen.

Auf dem Parkplatz wird - zumindest in der Nebensaison - das Übernachten im Auto geduldet. Da der Parkplatz sehr groß ist und direkten Strandzugang hat, stehen hier überraschend viele Autos und auch große Allrad-LKW warten hier auf den Sprung nach Afrika.

Wir entscheiden uns für die Dauer unseres Urlaubes ohne Campingplätze auszukommen. Dies bedeutet natürlich einen Verzicht auf Luxus: Kein Strom, keine Duschen oder Toiletten, kein Trinkwasser aus dem Schlauch. Dafür aber eben die Freiheit jeden Tag woanders zu stehen, sich die Nachbarn selbst auszusuchen und kein Geld für die Übernachtung zu bezahlen.

Wildes Campen ist jedoch in den meisten europäischen Ländern verboten. Wer sich trotzdem entgegen der offiziellen Verbote darauf einlässt, sollte mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen und sich möglicher Strafen und Gefahren bewusst sein! Dass keine Anwohner gestört werden und kein Müll hinterlassen wird, sollte selbstverständlich sein.

Für die tägliche Dusche muss daher ein Sprung in den Atlantik herhalten. Mit biologisch abbaubarer Süß-/Salzwasser-Seife stellt das für die Umwelt keine zu großen Probleme dar und man ist morgens auch ordentlich wach (die Seife sollte allerdings trotzdem nie direkt in Bächen, Seen oder Flüssen genutzt werden.) Für Warmduscher oder kalte Tage hat sich bei uns die Variante aus einem Teil kochendem und zwei Teilen kaltem Wasser in einem 5-Liter Kanister bewährt. An einsamer Stelle im Windschatten hinter dem Bus ist das fast ein Duschvergnügen wie zu Hause.

Am nächsten Tag geht es zum Wellenreiten nach Arte Vida. Der Spot ist nach dem Hotel benannt und direkt um die Ecke. Hier kommt der vorhergesagte Poniente fast Sideshore und Wellen brechen ohne Wind recht sauber über ein kleines Felsenriff, dass allerdings sehr knapp unter der Wasseroberfläche lauert. Ich haue mir mehrmals beim Duck-Dive die Brettspitze ins Riff.

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Mobiles Internet im Ausland:
Abends wird im Internet der Wind gecheckt. Dafür bietet das Hotel Arte Vida ein W-Lan, dessen Schlüssel man für ein leckeres Abendessen oder einen Café erfragen kann.

Um vom W-Lan unabhängig zu sein und um auch während der Fahrt Internet zu haben, haben wir uns eine spanische Prepaid-Handykarte gekaut. Diese kann man in Deutschland über verschiedene Agenturen beziehen oder einfach bei ebay oder Amazon bestellen. Die Agentur Prepaid Global bietet fast für alle Reiseländer Sim-Karten zu allen möglichen Konditionen an. Andere Anbieter heißen etwa www.holidayphone.de, www.simlystore.com oder www.tourisim.de. Unsere Kare kam mit 3GB Datentransfer für 25€ von europeart über ebay. Zusammen mit einem UMTS to Wlan-Router von 4Gsystems haben wir einen eigenen Hotspot im Auto und können so gleichzeitig mit mehreren Geräten auf das Internet zugreifen. Es gibt viele Anbieter von mobilen Hotspots, die meist auch mit einem Akku abseits des Stromnetzes betrieben werden können ist groß. Eine Google Suche über „mobiler 3g router“ führt zu vielen Produkten.

Für Heiligabend sagt Wetteronline „ergiebigen Regen“ an. Der kommt auch. Zusammen mit den Sturmböen ist es ein Gefühl, als parke man unter einem Wasserfall. Gegen Abend lässt der Wind nach und dreht auf Sideshore, so dass eine nette Wavesession bei gut 3 Meter hohen Wellen am Arte Vida möglich ist.

Die nächsten Tage verbringen wir mit Surfen, Wellenreiten, Pferde reiten und hängen am Strand ab. Die Windvorhersage sagt weiterhin eher schwachen Poniente mit Wellen an, doch nach ein paar Tagen gibt es Windalarm für Almerimar.

Da es für uns langsam Zeit zum Aufbruch wird, entscheiden wir uns, von Tarifa über die Mittelmeerstrecke zurück zu fahren, und dabei den angesagten Wind in Almerimar mitzunehmen. Das Ambiente am Mittelmeerspot ist mal etwas ganz anderes als in Tarifa. Statt Natur pur steht man mit unzähligen dicken deutschen Wohnmobilen auf einem asphaltiertem Stellplatz direkt an der Promenade.

Die Surfbedingungen hinter der Hafenmole entschädigen aber für die Betonklötze an Land. Langsam sind wir alle auf Wind von rechts eingefahren und haben zusammen mit unseren neuen holländischen Bekannten, ein paar Deutschen und zahlreichen Spaniern reichlich Spaß auf dem Wasser.

Nach einer fetten Wavesession ist bei uns die Zeit für die Rückreise nach Deutschland angebrochen. Wir planen für die knappen 3000 km wie auf dem Hinweg wieder zweieinhalb Tage ein. Mit mehr Zeit könnte man auf beiden Routen viele Zwischenstopps einlegen:
Windsurfen in Leucate, ein Besuch der Altstadt von Barcelona und die beiden riesigen Naturschutzgebiete Cabo de Gata und Delta d´Ebro auf der Mittelmeerstrecke oder die Erkundung von Paris, Wellenreiten in Nordspanien, ein Besuch des Guggenheim Museums in Bilbao, oder der Pferdestadt El Rocio auf der Nordroute.

Wir hingegen fahren mit zwei Stopps durch bis in den kalten Norden Deutschlands.

Bis zum nächsten Trip im Bulli!

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