Kroatien

Wolfgang Strasser hat vom heimischen Chiemsee eine Tour nach Kroatien unternommen und kam mit jeder Menge guter Windsurferfahrungen und Tipps zu Spots zurück. Hier ist sein Bericht.

Nachdem ich im Frühjahr wochenlang mit Schmerzen im Ellenbogen windsurfte, entschloss ich mich nach dem Freestyle Battle in Lemkenhafen doch zum Arzt zu gehen. Die Schmerzen waren einfach zu groß. Das Resultat war unerfreulich. Ich war lange mit einem angebrochenen Arm gesurft und sollte nun die dadurch entstandene Entzündung auskurieren. Ein bis zwei Monate sollte ich auf das Windsurfen verzichten.

Da ich aber ohne Windsurfen nur ein halber Mensch bin, setzte ich mir als Ziel eine fünfwöchige Pause bis zum Urlaub mit meiner Frau in den Pfingstferien. Dort sollte es dann wieder losgehen. Als Urlaubsziel standen je nach Windvorhersage Kroatien oder Rügen zur Auswahl.

Als es soweit war, fiel die Entscheidung leicht. Die Windvorhersage versprach für den Spot Punat auf der Insel Krk gute Bora (NO-Wind) und dazu sollte es angenehme Temperaturen (Luft 25°, Wasser 23°) geben. Punat bietet eine Art Lagune von etwa 12 Quadratkilometern Größe.

Kroatien

Vom Chiemsee nach Krk sind es keine 500 Kilometer und so konnten wir schon am Freitag Abend in Punat in eine Konoba, also in ein kroatisches Gasthaus, einkehren. Man kann dort sehr gut und günstig essen. Ein Teller mit frittierten kleinen Fischen kostet vier Euro. Gegrillter Oktopus mit Beilage sechs Euro und auch das frischgezapfte 0.5l Bier für 2,10 ließen wir uns schmecken. In den meisten Bars, Cafes und Restaurants gibt es freies WLAN. Das ist gut zum Windcheck.

Wer im Cafe einen Capuccino trinkt, kann den beim Bäcker gekauften Riesenkrapfen oder sonstige Leckereien dort verzehren. In den Bars werden keine Süssigkeiten verkauft.

Die Windvorhersage hielt ihr Versprechen. Von Samstag bis Montag konnten wir fast den ganzen Tag mit Segelgrößen zwischen 4.4 und 5.2 surfen und das bei strahlendem Sonnenschein.

Da die Windvorhersage für Premantura an der Südspitze von Istrien gute Bora bis Mittwoch vorhersagte, machten wir uns über Rijeka nach Premantura (ca. 125 km) auf den Weg. Es gibt mehrere Spots wie z.B. Pomer (eine geschützte Bucht mit Flachwasser) oder den Spot am Autocamp Stupice (Tageskarte pro KFZ 6,- Euro inkl. warmer Dusche). Es ist ein recht sicherer Spot mit guten Einstiegsmöglichkeiten und Wind von links.

Die Bucht bietet schöne Freeride- und Freestylebedingungen und auf dem Campingplatz befindet sich die Windsurfschule von Boris, der auch Kanutouren und Segelboote anbietet.

Abends empfiehlt sich ein Ausflug in die Altstadt von Pula, die mit vielen Sehenswürdigkeiten und Nachtleben lockt.

Auch Premantura enttäuschte uns nicht und wir konnten weitere drei Tage mit 4.8 - 5.2 surfen.

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Unser Heimweg führte uns über Triest mit seiner schönen Altstadt, vielen Bars und Sehenswürdigkeiten weiter nach Monfalcone und nach Marano Lagunare.

Marano Lagunare ist eine Kleinstadt mit Fischerhafen in der Provinz Udine unweit von Grado. Sie entstand 81 v. Chr. als Legionsstadt. Die Lagune von Marano ist die größte Lagune Friaul-Julisch-Venetiens und zugleich der nördlichste Part des gesamten Mittelmeers. Dort gibt es stets frischen Fisch und Muscheln; empfehlenswert das Fritto Misto. Das Zentrum des Ortes ist richtig heimelig mit vielen Cafes und schönen alten Gebäuden.

Am nächtsten Tag ging es weiter zum Lago di Santa Croce, einem Voralpensee in Venetien südöstlich von Belluno. Der See hat das selbe Windsystem wie der Gardasee, allerdings fühlt man sich dort wie in den 70er Jahren; alles ist ruhig, preiswert, gemütlich (kein Verkehr, kein Parkplatz-Problem etc.) und es sind hauptsächlich Locals anzutreffen. Die beste Windzeit ist von März bis Juni. Im Hochsommer gibt es meist nur am Nachmittag Wind für große Segel ab 7.0. Im Herbst wird der Südwind wieder besser.

Des weiteren gibt es nur fünf Kilometer südlich vom Croce den Frühwindspot Lago Morto, der im Hochsommer nach Gewittern in den Bergen oder nach kalten Nächten meist Gleitwind zwischen 4-6 Bft. vom Hellwerden bis ca. 8-9 Uhr hat.

Dort kann auf dem Parkplatz im Bus übernachtet werden und zum Brotzeitmachen gibt es zahlreiche Bänke und eine kleine Bar. Wie immer sollte man das alles mit Respekt betrachten. Wenn wir dort sitzen und zu Abendessen, wünschen uns die einheimischen Jogger, Spaziergänger immer 'Buon Appetito'.

Die Gegend eignet sich auch hervorragend zum Wandern, Biken und Gleitschirmfliegen. Im Umkreis von 20 Kilometern gibt es die schöne Altstadt Vittorio Veneto oder Belluno. Die zwei Tage am Lago di Santa Croce und Lago Morto bescherten uns einmal Frühwind und einmal Nachmittagswind mit 4-5 Bft.

Dann ging es zurück über San Daniele im Friaul, wo der berühmte Schinken herkommt, zum Lago di Cavazzo. San Daniele hat eine sehr schöne, auf einem Hügel gelegene Altstadt. In den vielen Weinbars können sämtliche Variationen des guten Schinkens gekostet werden.

Der Lago di Cavazzo ist ein kleiner Bergsee bei Tolmezzo, bei dem nur Morgenwind nach Gewittern in der Nacht oder bei einer Kombination aus niedrigen Nachttemperaturen und hohen Tagestemperaturen funktioniert. Der Wind weht meist mit 3-5 Bft. von 5 Uhr bis max. 9 Uhr.

Fazit: Der Arm schmerzt immer noch, aber egal, es waren zehn schöne Tage mit dem Bus unterwegs an verschiedenen Spots, gutes Essen und viel Spaß.

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