Kurztrip Sardinien - ein Reisereport von Vincent Langer
"Moinsen! Spontan Bock auf neun Tage Windsurfen??"
"Jo, bin dabei!" - "Bock auf Klitte, Römö oder vielleicht Holland?"
"Kein Wind und mega kalt! Lieber in den Süden in die Sonne! Sardinien?"
"Dann aber morgen direkt los!" - "Alles klar!"

Fähre gecheckt und für 130€ gebucht, perfekte Wettervorhersage und nur noch 1.500 Kilometer vor uns...

Nach acht Stunden Autofahrt aus Kiel, einer Übernachtung im Sprinti, weiteren sieben Stunden Fahrt und einer windigen Übernachtung auf dem Deck der Moby Vincent sind wir endlich auf Sardinien angekommen.
Wie in alter Manier fuhren wir in Porto Pollo früh morgens auf den Parkplatz direkt am Wasser, wo wir zu unserer Überraschung sofort verscheucht und auf den entfernten Kiter-Parkplatz verwiesen wurden - aufgrund einer neuen Regelung und Parkverbot für Wohnmobile über 6 Meter bis Mitte September. Ätzend. Die einzige Option war nun der Campingplatz auf der Isola dei Gabbiani.

Nach der Erfrischung im 23 Grad warmen Meer baute ich mein 7,9er Segel und mittleres Slalombrett auf und bin endlich mal wieder mit Boardshort bei Ostwind aufs Wasser! Das lässt einem Slalompiloten das Herz höher schlagen. Spiegelglattes Wasser, saftige sechs Windstärken und Sonne lassen die lange Anreise schnell wieder vergessen.
Kurztrip Sardinien
Abends, wie sollte es sonst in Italien auch sein, gab's Pizza und Pasta. Am nächsten Tag haben wir dann den Campingplatz erkundet.

Früher war die gesamte Insel mit Campingplätzen besetzt, doch heute ist nur noch ein kleiner Teil fürs Campen vorgesehen, der Rest besteht aus wilder Natur mit vielen Eidechsen und Geckos. Zum Frühstück bekamen wir öfters auch netten Besuch von den neugierigen Schildkröten der Insel.
Am Mittag kam Sonne und Wind, so dass wir die mittleren Slalomboards wieder ausführen konnten. Auch Freestyler kamen an diesem Tag auf ihre Kosten.

Die kleine Bucht in Porto Pollo mit den Surfstationen 'PortoPollo.it' und 'Bouwmeester' war so unglaublich voll mit Windsurfern, wie ich es lange nicht mehr gesehen hab. Damit kann auch mein geliebter Homespot Heidkate an der Ostsee nicht mithalten.
Kurztrip Sardinien
Auch in den weiteren zwei Tagen wehte der Ostwind, allerdings nur für große Slalomsegel. Obwohl es mit 27 Grad ungewöhnlich heiß und schwül für September war, bemerkte man die Nebensaison und die ruhigen Strände mit wenigen Besuchern.

Entspanntes Cappuccinotrinken und einfach mal die Seele baumeln lassen ist eine schöne Abwechslung zwischen dem ganzen Regattastress. Das war besonders wichtig für mich, da in einer Woche mit dem Windsurf World Cup auf Sylt wieder eine anstrengende Zeit bevorstand.

Die Tage vergingen wie im Flug und an den letzten beiden kam dann endlich der ersehnte Westwind, so dass ich nach drei Jahren erstmal wieder 'nen Freestyler unter den Füßen hatte.
Ich glaube es gibt wenige Orte, wo das Level der Locals bei Flachwasser so hoch ist. Mit Spock, Shaka und Flaka war ich echt ein Nobody, was dem Spaß aber keinen Abbruch tat.

Dann kam leider schon der Tag der Abreise - ein Kurztrip ist eben nur ein Kurztrip.

In Livorno angekommen machten wir dann aber noch einmal für ein Stündchen halt in Pisa, da es direkt auf dem Weg lag. Und da wir schon weit vor 9 Uhr am schiefen Turm waren und die anderen Touristen wohl noch schliefen, war es ein netter Ausklang. Und nach ein paar weiteren Stündchen inklusive Staus auf der A7 kamen wir zwar müde von der Fahrt, aber mit viel Vitamin D im Körper wieder in Kiel an.
Kurztrip Sardinien