Kroatien
Campingidylle in Lopari

Wolfgang Strasser erkundete Kroatien und kam mit vielen Spot-Tipps wieder zurück.

Nach einem guten Saisonstart im Frühjahr auf Sardinien, sollte „dahoam“ im Südlichen Teil Deutschlands nicht nur Eiersuchen sondern auch Windsuchen auf dem Programm stehen. Das sieht wie folgt aus: Die Vorhersage verspricht guten Westwind, welcher sich meist so gestaltet, dass zwanzig Minuten Wind ist und danach wieder keiner.

So komme ich an jenen Tagen auf eine Stunde Gleitzeit, bei Wassertemperaturen von 5°C und bei nur geringfügig wärmerer Luft. Der Spaß- und auch Trainingsfaktor ist dabei eher niedrig. Immerhin gab es drei Kaltfronten, bei denen ich wenigstens eine Stunde bei 5-7 Bft.. gut windsurfen konnte.

Eine gute Frühjahrsalternative ist der Walchensee mit Thermikwind. Das funktioniert bei Hochdruck (kalte Nacht, evtl. Nebel über dem Kochelsee und gute Tageserwärmung). Weht im Alpenvorland Wind aus nordöstlichen Richtungen mit 2-3 Bft., dann kann eine Thermik von 4-6 Bft.. entstehen. Das Zeitfenster ist meist von 11:30 bis 14:30 Uhr. Mit großem Material kann am Walchensee öfter und länger gesurft werden.

Meine Tage sehen dann so aus, dass ich bis 9:00 Webcams und Wetterverlauf im Web beobachte. Sollten die Bedingungen passen, steht eine Anreise von etwa. eindreiviertel Stunden mit dem Auto bevor und die Hoffnung auf Eintreten der Thermik. Um in Bayern aufs Wasser zu kommen muss man viel Zeit im Web verbringen, Webcams beobachten und Vorhersagen interpretieren.

Kroatien
Vor der Insel Krk

Diese Situation sollte sich Anfang Mai ändern. Meine Frau hatte Urlaub und die Prognosen für die Kvarner Bucht in Kroatien waren vielversprechend (20-25°C Luft; Wasser 18- 20°C).

Die ersten Tage war Hochdruck vorhergesagt und die Reise führte uns zunächst in das 500 km entfernte Rijeka zum Spot „Preluk“ bei Opatija. Nach klaren Nächten kann dort im Frühjahr und Herbst in den frühen Morgenstunden mit 4-6 Bft.ablandigem Wind gerechnet werden. Im Hochsommer mit geringerer Windstärke. Dort konnten wir von 5:00 bis 8:00 Uhr mit 4.4 und 4.8 den Tag gut beginnen.

Gestartet wird in „Preluk“ am Parkplatz vor dem Restaurant „Scala“ oder als Gast des benachbarten Campingplatzes. Nach dem Surfen bietet sich ein Besuch im hübschen Örtchen Volosko an, welches gegenüber des Spots liegt. Hier gibt es viele Cafés, Kneipen und Restaurants.

Nach drei Tagen Frühsport ging die Reise zur Insel Cres weiter. Die Fähre Jadrolinija geht in zwei stündigen Pendelverkehr von Prestova (ca. 30 km südlich von Rijeka) nach Porozina (Cres). Kosten: ca. 19 Euro für 2 Personen und ein Auto. Was auf der Insel auffiel, war die Sauberkeit entlang der Straßen und in den Ortschaften.

Da für den nächsten Morgen noch ein leichter Nordwind vorhergesagt war fuhren wir nach Martinscica, da dort die Möglichkeit für Fallwind von den Bergen bestand. Diesen Spot kannten wir bisher nur aus Erzählungen kroatischer und slowenischer Surfer.

Die frühsommerlichen Temperaturen luden dort zum Schwimmen im glasklaren Wasser ein und das Gasthaus am Hafen zum Fischessen am Abend. Am nächsten Morgen konnten wir mit 5.6 und 5.2 den Sonnenaufgang begrüßen. Es konnte nur eineinhalb Stunden gesurft werden, aber es war ein schöner Start in den Tag.

Kroatien
Südwind bei Punat auf Krk

Die Windvorhersage für den nächsten Tag auf der Nachbarinsel Mali Losinji, verbunden über eine Drehbrücke in der Ortschaft Osor, waren 25-30 kn SO-Wind (Jugo). Den Nachmittag verbrachten wir im historischen Osor und am Abend genossen wir die regionale Küche in einer landestypischen Konoba.

Zum Surfen in Osor geht man am besten als Tagesgast auf den Campingplatz Lopari (ca. 4.50 Euro 2 Pers+Auto). Leider trat der für zwei Tage vorhergesagte starke Jugo nicht ein, aber mit Segeln von 5.6 und 5.2 konnten wir an beiden Nachmittagen im Kanal mit Flachwasser und positivem Chop windsurfen.

Mit dem SO-Wind tritt meist eine Wetterverschlechterung ein, das jedoch bei milden Temperaturen. Das Wetter für den nächsten Tag war ohne surfbaren Wind und mit Regen vorhergesagt, weshalb wir uns entschlossen von Merag (Cres) mit der Fähre nach Valbiska (Krk) überzusetzen, da dort in den kommenden Tagen SSW mit 20-25 kn und danach ein NO-Sturm, die sog. Bora, einsetzen sollte.
Obwohl es den ganzen Tag regnen sollte, konnten wir uns ab dem frühen Nachmittag über strahlend blauen Himmel bei 25°C Lufttemperatur freuen.

Auch auf Krk gibt es viel zu entdecken und zu besichtigen. Überall nimmt man den Geruch von Rosmarin, Zitronen und Orangen, Lavendel, Salbei, Thymian und Myrthe wahr und auf den zahlreichen Wanderwegen kann man die Seele baumeln lassen.

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u.r.: Die Verbindung von Cres nach Losjin

Der typische Einkehrschwung führt in die Konobas, wo regionale Spezialitäten wie trockener Schafskäse (Sir), Schinken (Prsut), Oliven und meist hausgemachter Wein gekostet werden können.

Der nächste Morgen startete mit viel Regen, ab und zu blinzelte jedoch die Sonne hervor und bei 15-20 kn konnte ich in Punat am Spot Plaza Beach im Wellenchop surfen. Das Meer hatte mit der Sonne geradezu karibische Farben.

Zum Ausklang am Abend empfehlen wir in Punat die Konoba „Zestic“. Die Betreiber produzieren eigenen Wein, Liköre und Dessertweine, die in ihrem Weinkeller degustiert werden können, jagen und fischen selbst den Großteil des zubereiteten Wildes und der Meeresfrüchte. Zu den Gerichten gehören handgemachte Gnocchi oder Surlice (auf Draht gerollte Nudeln) mit Wildgulasch oder Meeresfrüchten. Besonders zu empfehlen ist der gegrillte Octopus mit gerösteten Kartoffeln und Mangold.

Bei einer guten Flasche Rotwein erzählt uns der Besitzer, dass die Wildschweine und sogar Bären vom Festland über das Meer schwimmen und sich so auf Krk breitmachen. Die Bären verursachen viel Schaden an den zahlreichen Honigstöcken und freilaufenden Schafen auf der Insel.

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Punat auf Krk

Die Windvorhersage für den Sonntag war vielversprechend, die berühmte Bora (NO-, O- Wind) soll den ganzen Tag mit 5-8 Bft.wehen. Bis 11 Uhr war noch leichter Regen und nur leichter böiger Wind, doch mit der Wetterverbesserung und der Sonne gab der Wind mächtig Gas. Die ersten Schläge in der Lagune von Punat mit 4.8 war eher mehr Kampf als Spaß, weshalb wir 4.0 und 4.4 aufgeriggt haben. Mit diesen Segeln konnten wir die nächsten fünf Stunden perfekt windsurfen, bei angenehmen Temperaturen von 20°C.

Am Folgetag war vormittags noch Wind für Segel mit 5.6, 5.2 und im Anschluss an ein gutes Frühstück machten wir uns auf den Weg über Triest nach Tarcento ins Friaul. Das Friaul ist ein Weinanbaugebiet mit vielen romantischen historischen Orten wie z.B. Palmanova, Cividale, Venzone. Am frühen Abend besuchten wir die typischen Weinbars und probierten den Rotwein zu je 1,- Euro das Glas zu dem immer ein Stück Baguette mit San Daniele Schinken oder lokaler Salami gereicht wird. In diesen Bars trifft sich einfach jeder, der Arbeiter im Blaumann und der Geschäftsmann im Anzug, und das ist einfach urig. Viele Rentner gehen auf einen Ratsch dorthin.

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Der Cavazzo See im Friaul

Dann stand frühzeitiges zu Bett gehen an, da die Windprognose für den Lago di Cavazzo, in der Nähe von Tolmezzo, mit sternenklarer Nacht und leichtem Nordwind am nächsten Morgen sehr gut aussah.

Der Lago di Cavazzo funktioniert nur mit Nordwind. Der Wind setzt meist um zwei Uhr nachts ein und ist in der Regel 3-5 Bft.stark. Wenn Nordföhn (schlechtes Wetter Richtung Österreich Villach, Kärnten und Hochdruck über Norditalien ist) oder nördlich in den Bergen nachts Gewitter sind, kann mit 5-7 Bft.. gerechnet werden.

Als es dämmerte habe ich aufgeriggt, jetzt im Mai war das gegen fünf Uhr morgens. In der Regel surft man dann bis ca. 7:30 Uhr im Schatten der umliegenden Berge, bis die Sonne den See kitschig blau erstrahlen lässt. An diesem Morgen surfte ich bei 5-6 Bft.bis 8:30 Uhr im absoluten Flachwasser ganz alleine; erst dann kam ein einheimischer Surfer dazu.

Wir besuchen diesen See einige Male im Jahr da es eine wunderschöne Gegend ist, die auch gut zum Mountainbiken und Wandern ist. Am See sind zwei kleine Campingplätze und eine Pizzeria. Ungefähr zwei Kilometer entfernt ist eine Trattoria an einem Fischteich, wo frische Forellen für wenig Geld angeboten werden.

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Der Cavazzo See liegt Norwestlich von Udine

Dann stand leider die Heimreise an, die wir diesmal über Landstrasse gefahren sind. Beeindruckend ist die Auffahrt in engen Serpentinen zum Plöckenpass (1400 m Höhe) in den kanischen Alpen. Über die Felbertauernstrasse (ca. 1500 m Höhe) und Kitzbühel zum Chiemsee sind das ca. 230 km.

Kroatien ist ein vielfältiges Land, sauber und die Menschen sind sehr höflich aber zurückhaltend. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt dort ebenfalls noch (BB ab 20,-). Wir hatten im Dezember, wenn es kalt ist, auch schon ein Zimmer mit HP im 4* Hotel für 30,- Euro pro Person.

Die beste Reiszeit und Windausbeute ist von Oktober bis Mai. Das Wasser wird auch im Winter nicht kälter als 14°C. Häufigste Windrichtung ist NO, O (Bora), dieser Wind hält oft für mehrere Tage an und erreicht meist Sturmstärke v.a. im Winter. Sobald die Adria unter Tiefdruckeinfluß gerät, weht meist der milde Jugo (SO). In den Sommermonaten werden die Scirocco und Boraphasen kürzer und seltener, dann weht meist ein thermischer W, NW-Wind, der Ein- und Aufsteiger den Windsurfsport näher bringt. Gute Vorhersagekarten: www.aladin.hr
Es waren wieder dreizehn beeindruckende Tage unterwegs in unserem kleinen Fiat Ducato ohne großen Schnick Schnack, dh. duschen mit Wasserflasche, aber immer im Freien am Meer. Oft ist weniger mehr…

Vielleicht haben wir einige unter Euch neugierig gemacht. Siehe da, zu Hause, kaum angekommen, überraschte mich der Chiemsee mit drei Stunden tollem Wind für 5.2 er Segel. Jetzt werden beim Surfen wieder kleinere Brötchen gebacken, aber ich freue mich trotzdem jede Minute, die ich auf dem Wasser bin, bevor es im Sommer dann für zwei Monate in ein für uns unbekanntes Land mit unbekannten Spots gehen wird.

 

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Basca
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Punat bei Südwind
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