Teneriffa Report - Februar 2016
Nachdem die letzten beiden Monate uns vor allem mit Hitze verwöhnt, aber mit dem Wind gegeizt hatten, zeigte der Februar mal wieder, was die Kanaren im Winter können: 21 Tage Wavesailing plus 4 weitere Slalomtage.

Ein super konstantes Hoch richtete es sich dauerhaft über den Azoren ein und bewegte sich über den Februar hinweg kein bisschen. Und das ist auch die Grundvoraussetzung für den Passat, der El Médano mit druckvollem Nordost bedient. Nach dem 50-Knotentheater Ende des Vormonats, sah es für die ersten Tage des Februar so aus, als wollte der El Niño sein Leichtwindspielchen um die 20 Knoten weiter betreiben.
So sah man wieder nur die Slalompiloten mit größtem Equipment trainieren. Am 6.2. startete dann endlich eine zweiwöchige Windperiode für die kleinen Wavespielzeuge, doch am 17ten wurde der Wind extrem böig. Ein kleines Tief über Marokko sorgte für eine Störung, die den Passat auf der Insel nach Nord drehen lies. Am nächsten Tag befand sich Médano so direkt im Inselschatten, aber am Nachmittag drehte Wind etwas herein und das 4,7er funktionierte wieder.

Für den 19ten war dann komplett Nord angesagt und die Locals Jochen, Julian und Zana machten sich auf den Weg, die Spots weiter in Luv abzuklappern. Die Windströmung erfährt durch den Düseneffekt der Senke zwischen Las Cañadas und dem Anagagebirge eine Beschleunigung und belüftet, in Abhängigkeit von deren aktuellem Winkel, verschiedene Spots zwischen El Médano und Candelaria.
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In Poris wurden die Jungs fündig und hatten dort einen außergewöhnlichen Tag auf dem Wasser. Als uns dann in der letzten Februarwoche der Passat wieder mit Druck versorgen konnte, gab es nochmals ordentlichen Spaß in der Welle.

Zum krönenden Abschluss ballerte es am 29.2. ordentlich mit 45-50 Knoten.
Die Konstanz und die durchschnittlich deutlich höheren Windgeschwindigkeiten im Vergleich zu den Verhältnissen im Januar stellten die Teilnehmer des TWS Pro Slalomtrainings vor neue Herausforderungen. Immerhin werden pro Tag bei ca. 20 Rennen etwa 160 km zurückgelegt. Am Ende der drei Monate kommen etwa 800 Slalomheats zusammen. Die teilnehmenden Amateure profitieren hier natürlich auch viel vom Know How der Pros - immerhin sind 10 der 20 weltbesten PWA-Fahrer auch am Start.
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Auch die deutsche Elite ist hier gut vertreten und ich konnte Vincent Langer für ein Interview am Strand treffen:

Hi Vincent, hier auf Teneriffa weht der Nordostwind ununterbrochen, zumindest für euch Slalom Piloten. Wie läuft das Training?

Vincent: Das Training in diesem Jahr ist wirklich unglaublich. Der Wind ist für uns perfekt und die Organisation und der Ablauf der Trainingseinheiten lässt keine Wünsche offen. In der Regel haben wir 4 Tage Training pro Woche mit 20 Starts am Tag in 2 Gruppen. Das Level ist unglaublich hoch. Zur Zeit sind Matteo, Pierre, Tristan, Malte und noch viele weitere Weltklasse Windsurfer hier. Das macht wirklich Spaß.

Wie läuft so ein Trainingstag ab?

Vincent: Um 10 Uhr ist Skipper Meeting, um 11 Uhr ist erster Start. Es wird in 2 Gruppen gestartet. Wer nicht pünktlich ist, darf die erste Session nicht mitfahren. Es werden in jeder Gruppe 5 Rennen gefahren. Die Besten qualifizieren sich für die Gruppe A. Nach den ersten 5 Rennen gibt es 30 Minuten Pause um Material zu wechseln oder einfach nur um etwas zu trinken. Danach kommen weitere 5 Rennen. Jetzt folgt eine längere Mittagspause. Nach dieser stehen weitere 5 Rennen auf dem Plan. Die jeweils besten 2 Fahrer der Gruppe B qualifizieren sich für die Gruppe A. Die schwächsten 2 A Fahrer müssen in die Gruppe B. Danach stehen weitere 5 Rennen auf dem Programm, sodass man im Idelafall 20 Rennen pro Tag fährt. Ein hammerhartes Training!
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Gibt es ein weltweit ein vergleichbares Training?

Vincent: Definitiv nicht! Harco von der TWS Surfstation organisiert und koordiniert das Training meines Erachtens perfekt. Es gibt sogar Testfinnen von Z-Fins zur freien Verfügung.

Wer ist deiner Meinung nach der schnellste auf dem Wasser?

Vincent: Puhhh, das ist schwer und hängt oft von den Bedingungen ab. Mein Geld würde ich aber auf Pierre Mortefon, Matteo oder Malte Reuscher setzten. Meines Erachtens können diese Jungs auch wieder im World Cup Regatten gewinnen.

Wie schlagen sich die Deutschen im Vergleich?

Vincent: Gunnar war hier im Januar und soll guten Speed gehabt haben.

Da war ich jedoch noch nicht da. Zur Zeit schlägt sich Sebastian Kördel wirklich sehr gut. Wir Deutschen gewinnen Rennen, haben jedoch zur Zeit noch nicht die Konstanz der oben genannten Fahrer.

Kommen wir zu einem anderen Thema! Dein Wechsel des Segelsponsors kam unerwartet. Was waren die Gründe?


Vincent: Es hat einfach nicht mehr gepasst. Die Entscheidung hat auch nichts mit der wirklich guten Leistung der Segel zu tun. Ganz besonders in diesem Jahr habe ich mich über organisatorische Dinge so geärgert, dass es Zeit für einen Wechsel war. Deutsche Organisiertheit traf auf eine lockere italienische Mentalität. Ich möchte dieses Jahr wieder angreifen und brauche dafür die volle Unterstürzung von meinen Partnern.

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In den Foren wird gerade viel spekuliert, ob der monetäre Aspekt eine Rolle gespielt hat?

Vincent: In den Foren geht es immer ab (lacht). Das fällt mir immer ganz besonders auf, wenn es zu kalt ist zum Windsurfen. Da wird dann gerne mal Quatsch geschrieben. Geld spielte bei dem Wechsel gar keine Rolle. Es geht darum happy zu sein, damit man gute Leistung bringen kann. Ist man das nicht, gehen die Leistungen runter und man muß etwas ändern. Point-7 ist für mich immer noch eine coole Marke und ich werde auch weiterhin Fragen per Mail und am Beach über die Segel beantworten.

Warum bist du ausgerechnet zu North gegangen und nicht zu Pryde oder Gaastra?

Vincent: Fanatic und North gehören zur Boards and More Gruppe. Da ich auf Fanatic Boards bin war das die logische Konsequenz.

Wo siehst du die Stärken deiner neuen Segel?

Vincent: Ganz besonders in den Halsen sind sie stark. Durch eine Segellatte weniger ist das Gewicht und somit das Handling einfach besser als alles andere auf dem Markt.

Was sind deine Pläne und Ziele für die kommende Saison?

Vincent: DWC und 4 World Cups sowie ein paar Formula Events.

Du engagierst dich auch in Jugendbereich. Wird es da wieder eine Veranstaltung geben?

Vincent: Von 01.-06.08.16 gibt es wieder ein Kids Camp in Grönwohld. Mehr als die Hälfte der Plätze sind schon ausgebucht. Das ist für mich immer mein Highlight.

Danke Vincent!

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