Galicien

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Der Weg ist das Ziel

Anne Stevens fuhr 4200 Kilometer zum Windsurfen nach Galicien. Obwohl der Wind nur zwei Mal Windsurfen erlaubte, hat sich der Trip für sie gelohnt.

Der Nordwesten der iberischen Halbinsel ist legendär. Die zerklüftete Küste bietet ein Wellenparadies, wo sich schroffe Felsabschnitte mit weißen Sandstränden abwechseln. Allerdings ist die Gegend auch etwas schizophren. In einem Moment ist die Landschaft dunkel, geradezu morbide und dazu peitscht Regen über graue Häuser. Ein paar Kurven weiter ist der Spuk vorbei. Blitzblauer Himmel, türkisfarbenes Meer und makelloser Sandstrand versprechen ein Urlaubsparadies.
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Wer Galicien besucht muss lange fahren. Deshalb ist es schon fast zwingend, den Weg zum Ziel zu machen. Schließlich will Frankreich einmal komplett durchquert werden. Und da die Franzosen sich bequemes Reisen auf der Autobahn bezahlen lassen, lohnt sich eine Chipkarte (zum Beispiel von bipandgo.com) um das Stop & Go an den Bezahlhäuschen der Péage zu reduzieren.

Kurz hinter der französischen Grenze liegt Zarauts, ein kleines Städtchen direkt am Meer. Die Anzahl der vielen Surfshops in der Stadt signalisierten sofort, dass man hier unter anderem auf den Surf-Tourismus baut. Am Rand der Stadt, oben auf dem Berg liegt der Campingplatz auf dem wir uns die ersten Tage einquartierten.
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Auf dem zugewiesenen Stellplatz angekommen, wurde klar warum dieser Campingplatz so beliebt ist. Er bietet eine wunderschöne Aussicht aus dem Wohnmobilfenster auf die kleine Bucht. Beim genauen Hinsehen erspäht das Surferauge unten im Wasser viele Wellenreiter, die auf ihren nächsten Wellenritt warteten. So schöne Wellen konnten natürlich nicht ungenutzt bleiben. Schnell wurden Boards, Anzug und ein bisschen Verpflegung geschnappt. Ganz schön steil war der Abstieg und nach halber Strecke begann eine Treppe mit 400 Stufen. Die Vorfreude auf eine Surf Session und die Schwerkraft ließen uns geradezu herabschweben.
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Gäbe es eine Weltmeisterschaft im Muskelkatern, wäre den Campingplatzbgästen in der Gruppenwertung der Spitzenplatz nicht zu nehmen. Der nächste Morgen bewies eindrucksvoll, dass eine Surfsession plus ein Aufstieg in der Summe zu größtmöglicher Pein führen. Auch nach den nächsten Ab- und Aufstiegen wurde es nicht besser. Entgegen der Erwartung, dass der Kater nach dem zweiten Mal Treppensteigen weggeht, hielt er sich während des ganzen Aufenthalts.
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Nach vier Tagen ging es weiter zum nächsten Etappenziel, jetzt tauchte der Regen die schönen Landschaften allerdings in ein tiefes Grau. Auf dem Campingplatz in San Vicente angekommen, änderte sich das auch nicht, so dass die schönen Longboardwellen mit dem Grau des Himmels verschmolzen. Aber was soll’s. Wäre das Wetter immer schön, wäre die Küste sicher auch mit Hotelbauten zugepflastert. Gran Canaria macht perfekt vor, wie so etwas aussieht.
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Die Windvorhersage für das nächste Etappenziel verhieß gutes und so ging es weiter Richtung Ferrol. Nach einigen 100 km kam wieder die Sonne heraus und zeigte wofür die nordspanische Küste so legendär ist: für ihre wunderschöne Landschaft. Die Wahl des nächsten Campingplatzes fiel wieder auf einen Platz direkt am Meer in der Bucht von San Xurxo.
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Die Abendsonne glitzerte auf dem Wasser und leuchtete schon die Arena für den nächsten Tag aus. Wie versprochen kamen gegen Mittag Wind und Wellen in Schwung und mit Segelgrößen um die 5.0 Quadratmeter ging es aufs Wasser. Der schräg ablandige Wind macht das Spiel mit den sauber laufenden kleinen Wellen zu einem reinen Vergnügen. Der folgende Tag brachte ähnlich schöne Bedingungen.
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Eigentlich war für zwei weitere Tage Wind angesagt, aber irgendwie wollte der sich nicht so richtig durchsetzen. Die Wetterküche Galiciens sträubt sich einer Vorhersage hin und wieder. Es ging jetzt immer weiter die Küste entlang, wo verschieden kleine Städtchen auf der Liste unter dem Stichwort Besichtigung standen.
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Jetzt tauchte der Seenebel alles in Varianten aus Grau, aber das tat der Schönheit der nordspanischen Küste keinen Abbruch. Nach zwei Tagen ging es wieder den Berg zum Campingplatz Grand Zarauts hoch. Wir gaben uns noch einmal drei Tage Muskelkater, bevor es langsam wieder Richtung Heimat ging.

Natürlich war auch hier der Weg das Ziel, so dass hier noch die Ortsschilder, Biarritz, Capbreton, Hossegor und Paris passiert wurden, bevor nach 16 Tagen die heimische Parkposition wieder erreicht wurde.
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