Antwort, 05.01.2007 15:35 von olli1111
Gutes Statement, Hangman!
Trotzdem hat die Sache noch einen Haken. Für jemanden, der generell mit Manövern nicht klarkommt, und es anscheinend schon häufig probiert hat, ist vor allem eins entscheidend - Motivation und kleine Erfolgserlebnisse.
Du hast meiner Meinung Recht, dass es an der Technik liegt, aber nicht jeder ist so motiviert und verbissen, dass er es auf jedem Material bis zum Umfallen übt. Und für viele ist es einfach leichter auf voluminöserem Material zu lernen. Das hab ich nicht in der Surf gelesen, sondern in der Praxis - nicht zu letzt anfänglich bei mir in den 80ern - viele Male erlebt.
Du schreibst:
"Dieser ganze Bewegungsablauf wird um so wichtiger um so kleiner die Boards sind. Daher ist es ein Aberglaube das man mit einem größeren Brett besser Halsen fahren kann. Ein großes Board retuschiert nur die Fehler besser als ein kleines. Wer auf nem kleinen Brett ne Halse kann, der schaft sie auch locker auf nem Größeren Kahn und da so gar wahrscheinlich durchglitten. Anders herum geht es jedoch nicht so einfach es sei denn man kann die Halse mit der entsprechenden Technik."
Damit hast Du sicherlich zum Teil Recht. Aber auch Deine Argumentation hat auch Krücken.
Er schreibt:
"Segel: 4.0, 4.7, 5.4, 6.3
Hab mir schon überlegt ein grösseres gebrauchtes Brett ab Bj. 2000 fürs Halsentraining und den Binnensee mit meistens 3Bf (sehr Böig) zuzulegen."
Bei 75 Kg und meistens 3 bft mit zu kleinen Segeln wird es auch für sehr engagierte Leute schwierig, Manöver durchzugleiten (wenn man denn in stärkeren Böen mal ins Laufen kommt). Damit fängt das Problem schon an. Weniger Gleitzeit, weniger Zeit zum Üben und das ist in der Summe, alleine, wenn ich an die wärmere und windärmere Zeit denke, nicht unerheblich. Auch ist die Motivation für Anfänger gerade unter 'Kuschelbedingungen' ungleich höher. Sie haben nicht unbedingt den totalen Kick, weil sie sich noch mit vielem rumplagen müssen, dass sie zu den Grundlagen des Surfens zählen und bei warmem Wasser schwimmt man lieber und fällt auch lieber rein. Allein aus diesem Grund macht ein größeres Brett für Anfänger schon Sinn - mehr Zeit und bessere Bedingungen (im warmen Sommer und Frühherbst) zum Üben.
Ein anderer Punkt ist, dass bei Winden im 4er Bereich (wie das im Sommer schon mal häufiger so ist), die Wasseroberfläche nicht ganz so kabbelig ist. Und bei ruhigerem Wasser ist es gleichfalls einfacher sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Da, wie er schreibt, die Bedingungen aber sehr böig sind, wird ihm auch hier mehr Segelfläche zu gute kommen und ein etwas größeres Brett (das leicht kontrollierbar ist) mit mehr Segelfläche wird dem Anfänger unter _solchen_Bedingungen_ auch häufiger ausreichend Geschwindigkeit für den Manöverversuch und für's Durchgleiten bescheren, als ein kleineres, das an der Grenze zum Floater ist - der parkt nämlich häufiger.
Zudem, ist es gerade Anfängern ziemlich egal, ob sie mit nem kleinen Brett tolle Sachen machen könnten, sie wollen sie erst mal machen und auch das verschafft einen Haufen Motivation und Spaß und darum geht es in erster Linie beim Surfen. Es gibt so viele, die nie auf einen Sinker oder Floater steigen und trotzdem zig Jahre Spaß am surfen haben. Für sie funktioniert alles, egal wieviel kaschiert wird. Genauso gut könntest Du sagen, dass ein wirklich guter Fahrer ne needle fahren muss, damit er lernt gescheit mit der Brettkontrolle und mit Halsen klarzukommen, da hier überhaupt keine Fehler toleriert werden. Die Argumentation mit den Fehlern durch größere Bretter kann ich somit nur bedingt nachvollziehen. Ich stamme noch aus der Generation, die ihre ersten Versuche auf großen Brettern machen mussten, da es noch keine kleinen gab. Und nicht wenige, die damals angefangen haben, fahren heute noch, auch auf kleinen Brettern und auch sie fahren ihre Manöver sauber.
Wichtig ist doch nur, dass er Spass daran bekommt und behält. Und mit seinem bisherigen Material schafft er es anscheinend nicht so leicht, wie er es sich erhofft. Auf meinem ersten 'kleinen' Brett (Cobra 305, um die 100 Liter) hab ich auch verzweifelt, da das Teil ne scoop-rocker-line wie ein waveboard hatte und gerade mal bei oberen 4 ins Gleiten kam. Da hatte ich nicht so viel Zeit zum probieren, weil die Bedingungen oft nicht stimmten. Erst als ich auf den Astro Rock mit 125 Litern umgestiegen bin, lief es langsam bei mir rund.
Es geht also vielleicht nicht darum, den Fehler woanders zu suchen, sondern bessere Bedingungen für's Lernen zu schaffen. Und die verbessern sich nun mal auf nem See bei böigem Schwachwind mit einem etwas größeren Brett deutlich.
Cheers,
Oliver