Windsurfen auf Lanzarote
Durch die Palme gesehen: Las Cucharas

Lanzarote

Der Windsurfcoach und Fotograf Tom Brendt lebt auf Lanzarote. Für DAILY DOSE blickt er auf den Sommer 2021 zurück...

Über einen Mangel an Wellen konnte sich im vergangenen Winter sicherlich niemand beklagen. Viele mächtige Swells bahnten sich ihren Weg vom Nordatlantik südwärts und sorgten für schlaflose Nächte und betriebsame Tage bei den Big Wave Surfern an der europäischen Atlantikküste. Auch den Weg zu den kanarischen Inseln fanden die Wellen ein ums andere Mal.

Windsurfen auf Lanzarote
Spot: Jameos del Agua

Die brüllenden Wasserberge, welche sich tosend über die Küsten hermachen, sorgen für Ehrfurcht, Respekt und butterweiche Knie selbst bei jenen, welche niemals auch nur daran denken würden, sich mit einem Surfboard oder dem Windsurfer bewaffnet in das Meer zu stürzen. Die kanarischen Inseln sind nicht umsonst aufgrund der Wellen als das Hawaii Europas bekannt.

Windsurfen auf Lanzarote
Las Cucharas im Abendlicht

Trotzdem war diesen Winter sicherlich um einiges anders als sonst. Nicht selten befand man sich auf den Kanaren in der Situation den Wellen am Strand nur zusehen oder zuhören zu dürfen, während die heimischen vier Wände nur für das Notwendigste verlassen werden durften.

Nach einem extrem harten ersten Lockdown zu Anfang der Corona-Pandemie, waren die anschließenden Maßnahmen deutlich sanfter und gutmütiger als das, was sich auf dem Meer abspielte. Auch wenn es sich so angefühlt hat, dauerte das Leben in heimischer Couch-Atmosphäre nicht ewig und die Wassersportler konnten anschließend wieder in ihr Lieblingselement eintauchen.

Windsurfen auf Lanzarote
Yoli de Brendt in Las Cucharas

Etwas gewöhnungsbedürftig war sicherlich das deutlich höhere Aufkommen an Wellenreitern. Da sich ein Großteil der Bevölkerung in Kurzarbeit befand, wurde die freie Zeit vielfach auf dem Wasser verbracht.Die Existenz der meisten Canarios und Zugereisten ist auf dem Tourismus aufgebaut und den gab es zu dieser Zeit kaum.

Spot: Jameos del Agua
Jameos del Agua

Ein weiterer Unterschied, und das ist gerade für Windsüchtige kein unwichtiger Punkt, war die etwas magere Windausbeute während der Wintermonate. Auch wenn es einige Windsurftage rund um die Insel gab, an die man sich wahrscheinlich auch in etwas weiter entfernter Zukunft noch erinnern wird, mussten den Rest des Winters doch recht häufig größere Tücher mit weniger Xply als gewohnt auf Freeride Boards montiert werden.

Windsurfen auf Lanzarote
Las Cucharas

Doch dann, ja dann kam der späte Frühling, oder war es der Vorsommer? Es schien, als wurden die Websites der Windvorhersagen eiligst umprogrammiert. Eine bereits in Vergessenheit geratene Farbskala färbte die Vorhersagekarten bunt. Es gab Wind! Und zwar jede Menge.

Es war Anfang Mai, als die Whatsapp-Windsurf-Gruppen auf Touren kamen. Schneller wurden die kleinen Waveboards wohl selten aus den heimischen Materiallagern in die fahrbaren Untersätze geladen. Die kleinen Tücher wurden auf Fahrtüchtigkeit geprüft und vor allem, da sich mächtig viel Welle zu dem angesagten Wind gesellen sollten, war es auch kein Nachteil nochmals alle Tampen in Augenschein zu nehmen und gegebenenfalls noch rechtzeitig auszutauschen.

Wellenreiten auf Lanzarote
Winterswell

Die Zeit der traumhaften winterlichen Sonnenaufgänge an den Wellenreit-Spots der Ostküste Lanzarotes war vorbei und wich der in den Windmonaten typischen frühmorgendlichen Bewölkung. Aber wirklich traurig waren darüber wohl nur die wenigsten.

Die Wetterdienste versprachen nicht zu viel. Heftig, laut und teilweise fast schmerzhaft jagte der Wind die Küsten entlang. Die Wellen fingen an sich aufzutürmen. Täglich wurden sie lauter und gewaltiger. Das lange Warten hatte sich definitiv gelohnt. Von Tag zu Tag wurden die Sessions kraftraubender, aber das war absolut zweitrangig, denn es würden auch wieder Tage zum Erholen kommen. Theoretisch.

Windsurfen auf Lanzarote
Las Cucharas

Praktisch wollten weder Wind noch Wellen ihre Arbeit einstellen, als hätten sie etwas gut zu machen.

Nicht einmal ein paar heiße Tage mit Kalima, einem Wetterphänomen, bei dem staubige, heiße Luft aus der Sahara bis zu den Kanaren schwappt, konnten die Windmaschine in diesen Sommer stören.

Swells kamen und gingen und sorgten zumindest unter Wellenpuristen für die ein oder andere Regenerationsphase. Alle anderen Windsurfenthusiasten genossen während den Swell-Pausen den Freeride-Spaß und auch die Freestyler kamen auf ihre Kosten.

Windsurfen auf Lanzarote
Jameos del Agua

Wer eine Pause benötigte und Körper und Geist eine Erholungsphase gönnen wollte, musste einfach Verzicht üben und sich damit abfinden, auch an diesen Tagen die Windsurfer übers Wasser fliegen zu sehen.

Tatsächlich gab es während dieses Sommers, trotz erschwerter Reisebedingungen, vielen geschlossenen Hotels und einer deutlich reduzierter Anzahl von Flugverbindungen, so viele Windsurfer an den Windsurfspots Las Cucharas und Los Charcos, wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Las Cucharas
Las Cucharas

An Tagen mit kleineren Wellen konnte es ziemlich voll werden. An den wirklich großen Tagen trauten sich nur die wenigsten wirklich auf das Riff oder auch nur in die Nähe des Riffs und vergnügen sich daher mit den immer noch recht ordentlichen Wellen unmittelbar vor der Bucht von Las Cucharas.

Es war ein großartiger Sommer, der sehr früh begann und ziemlich typisch für den Nord-Ost-Passat auf den Kanaren, bis Mitte August anhielt. Langsam scheint der Windgürtel sich jetzt aber winterfest zu machen und für den alljährlichen Herbstumzug Richtung Süden vorzubereiten.

Windsurfen auf Lanzarote
Tom Brendt in Las Cucharas

Die Touristen packen allmählich ihre sieben Sachen und die Locals bereiten sich auf den kommenden Wellenreitwinter vor. Das Windsurfmaterial wird so schnell aber nicht verstaut werden. Wir hoffen auf einen normaleren und besseren Windwinter. Wer etwas mobil ist, kommt auch in einem normalen Winter auf Lanzarote auf eine hohe Anzahl an sehr guten Windsurftagen, Sightseeing inklusive.

04.09.2021 © DAILY DOSE  |  Text: Christian Tillmanns, Tom Brendt  |  Fotos/Grafiken: Tom Brendt

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Jameos del Agua