Session-Report Graal-Müritz - 22./23. August 2026
Mathias Genkel erlebte im Spätsommer ein traumhaftes Wochenende an der Mecklenburgischen Ostseeküste
Während die Spots um Rostock beliebt, gut und allseits bekannt sind und auch der Darß mit Topspots wie Ahrenshoop spätestens seit den Big Days jedem Wavesurfer ein Begriff ist, fristet der Ort Graal-Müritz, der quasi mittig zwischen diesen genannten Revieren liegt, eher ein Schattendasein.
Die Wellen laufen an den anderen Spots geordneter und berechenbarer. Die Sandbank vor Graal-Müritz ist sehr tief und so entlädt sich die geballte Kraft des Meeres dann meist als kräftiger Shorebreak zwischen den eng stehenden Buhnen. Gleichzeitig gibt es in der gesamten Gemeinde im Prinzip keine Parkplätze in Strandnähe.
Zwei sehr gute Freunde von mir, Max und Sophia, betreiben auf dem örtlichen Campingplatz (Ostseecamp Rostocker Heide) eine perfekt organisierte Surfschule namens Lonosurf (lonosurf.de) mit angeschlossener Strandbar, die qualitativ hochwertige Getränke und Snacks in Bioqualität bietet.
Hier treten auch Musiker auf und man kann dann die im Sommer so zahlreichen und doch immer wieder einzigartigen Sonnenuntergänge über dem Meer bei einem Drink und Live-Klaviermusik genießen.
Dann vergisst man, dass man sich in Deutschland befindet, sondern wähnt sich beinahe in der Karibik. Der nahe gelegene Küstenwald schafft eine unvergleichlich urige Kulisse. Beim Windsurfen blickt man auf den Wald und die Bäume, die immer ganz unterschiedlich im Lichtspiel des Himmels schimmern. Ich habe hier schon Robben und sogar einen Schweinswal gesehen.
Und ich fühle mich beim Windsurfen an diesem Spot immer so ein bisschen näher dran an der Weite des Meeres als an den anderen Spots. Vielleicht liegt es daran, dass die Küste hier einen langen Bogen beschreibt, etwas in die Ostsee hineinragt, bevor sie in Richtung Neuhaus und Dierhagen eher als eine Bucht bezeichnet werden muss.
Am besagten Wochenende war Westwind mit einem ganz kleinen Nordeinschlag vorhergesagt. Da gibt es direkt vor den Toren Rostock bei Warnemünde wirklich ideale Spots. Nur war es in der letzten Zeit oft so, dass trotz passender Vorhersage der Wind nicht wirklich hinein drehte und die ersten 50 Meter windlos blieben. Das ist im Laufe der Jahre gefühlt immer häufiger vorgekommen.
So war ich wirklich unschlüssig, wohin es gehen sollte. Ich entschied mich, nach Graal-Müritz zu fahren und die etwas unsaubere, chaotische Welle zu Surfen. Denn gerade diese Unberechenbarkeit macht den Spot zu einer großen Spielwiese, auf der man manchmal spontan auf eine eineinhalb Meter hohe Rampe zufahren und perfekt springen kann, nachdem man zuvor 10 Schläge lang nicht eine einzige brauchbare Welle vorgefunden hat.
Der Shorebreak ist dafür umso verlässlicher und er bricht auch kraftvoll und nicht zu rund. So waren wir am Samstag den ganzen Tag mit 4.0 und 4.4 unterwegs. Zum Sonnenuntergang zeigte sich ein beeindruckendes Wolkenspiel am Himmel und wir wurden zufällig von einer professionellen Fotografin (www.susanne-prothmann.de) abgelichtet, die sonst eher Bilder von Immobilien macht. Der Wind wehte zu der Zeit zwar sehr onshore, doch die Vibes waren dafür umso gechillter.
Am Sonntag zeigte sich das Wetter dann launischer, der Wasserstand war höher, der Himmel grau. Es regnete immer wieder. Dafür hatte sich die Welle besser geordnet und Micha, ein Nachwuchssurfer, der auf den Bildern mit dem Duotone-Segel zu sehen ist, filmte noch ein paar Sequenzen von mir im Shorebreak.
Ich hoffe, dass die Bilder und das Video einen kleinen visuellen Eindruck der oben beschriebenen Gegebenheiten widerspiegeln. Jeder Tag auf dem Wasser ist einzigartig und man kann immer dankbar dafür sein, am Meer zu sein und unseren unvergleichlichen Sport ausüben zu können.
06.09.2026 © DAILY DOSE | Text: Mathias Genkel | Fotos/Grafiken: Susanne Prothmann | Translation: EN