Flo Luther, Platboom
Flo Luther, Platboom

Windsurf-Urlaub in Südafrika

Die Windsurf-Buddies Florian Luther und Chris Hafer waren wieder einmal in Südafrika. Hier beschreiben Chris und Flo, was sie bei dieser Reise in das anspruchsvolle Land besonders bewegte und ziehen ein persönliches Fazit.

Früher war alles besser...
Früher war alles besser. Da war die Welt noch in Ordnung… Tja, leider stimmt das in vielen Punkten. Wenn man sich inzwischen kaum noch traut, Nachrichten zu lesen oder zu schauen, weil gerade wieder irgendwo ein Krieg vom Zaun gebrochen wurde, Demokratie von Tag zu Tag abgeschafft wird, diejenigen immer mehr Macht erhalten, die am lautesten schreien, die Weltwirtschaft in gleichem Maße abstürzt wie die Spritpreise in Richtung Himmel steigen...

Ok, die Deutschen sind ja nicht gerade bekannt für ihren Optimismus und eher dafür bekannt, an fast allem etwas auszusetzen zu haben. Also ist einfach mal wegfahren vielleicht eine Lösung. Etwa ans andere Ende der Welt, etwa in den Süden.

Der Strauß wanderte am Surfspot Platboom vor die Linse. Das Chamäleon wurde am Weingut Jordan gesichtet. Passenderweise gibt es dort auch einen Wein mit dem Namen 'Chamäleon'.
Der Strauß wanderte am Surfspot Platboom vor die Linse. Das Chamäleon wurde am Weingut Jordan gesichtet. Passenderweise gibt es dort auch einen Wein mit dem Namen 'Chamäleon'.

Kapstadt als Winterdestination
Kapstadt ist seit Jahren unser Ziel, um dem Winter im grauen Deutschland zu entfliehen. Aus vielen Gründen. Dort scheint im Februar ziemlich beständig die Sonne, die Landschaft und die Tierwelt sind traumhaft, und auch die Windsurfbedingungen sind grandios aufgrund des verlässlichen Windsystems mit dem Spitznamen „Cape Doctor“. So benannt, weil zu Zeiten der niederländischen und britischen Besiedlung der frische Südwestwind für erträgliche Temperaturen, bessere Luft und damit weniger Krankheiten sorgte. Heutzutage sorgt der Wind eigentlich für eine konstante Belüftung an den zahlreichen Surfspots rund um die 'Mother City', wie Kapstadt in Südafrika genannt wird.

Chris Hafer in Big Bay
Chris Hafer in Big Bay

Das Windsystem im Klimawandel
Eigentlich sind die lokalen Windsysteme zuverlässig. Aber eben nur eigentlich, denn der Klimawandel, den es ja nach Meinung einiger „Experten“ nicht gibt, zeigt sich auch bei unseren Surftrips inzwischen immer deutlicher. Selbst Windsysteme, die sicherer und verlässlicher als ein deutscher Bausparvertrag waren, existieren nicht mehr, bzw. nur zu anderen als den eigentlich in Stein gemeißelten Zeiten.

Früher war der Ablauf eines Standardtages in Kapstadt relativ einfach. Fast wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ oft nach dem Muster: Aufstehen, dann eine frühe Session am Sunset Beach, bis es zu windig wurde, danach fuhr man in den Norden nach Melkbos. Und wenn Material und Kraft es dann noch hergaben, gab’s eine Abendsession zum Sonnenuntergang in Big Bay. Eat, sleep, repeat.

Die Großtiere können in der Aquila Game Reserve rund 150 Kilometer nordöstlich von Kapstadt bestaunt werden.
Die Großtiere können in der Aquila Game Reserve rund 150 Kilometer nordöstlich von Kapstadt bestaunt werden.

Diesmal war mangels konstantem Windsystem eher jeden Morgen Rätseln angesagt. Vielleicht ans Kap, da könnte ja was gehen. Oder doch nach Paternoster, vielleicht kommt da ja die Welle rein. Oder doch vor Ort bleiben und hoffen, das was entgegen der Vorhersage kommt? So lernt man zumindest seinen Mietwagen ganz gut kennen.

Und wenn sich dann über der Antarktis ein ungünstiges Wettersystem festsetzt, und der Herbst in Kapstadt quasi einen Monat früher einsetzt mit unbeständigem Wetter, Seenebel und Nord- oder Westwind, dann muss man sich Alternativen suchen.

Flo Luther, Goiter in Platboom
Flo Luther, Goiter in Platboom

Flautenprogramm
Aber, auch das ist einer der Gründe für Kapstadt als Winterdestination: die gibt es in Kapstadt wie kaum an einer andern Location nach unserer Kenntnis. Egal ob Hiking, Fine Dining, Weinproben, oder andere Freizeitaktivitäten wie Whale oder Dolphin Watching, Sunset Cruises, etc… Auch nach so vielen Trips finden wir immer wieder etwas Neues und Faszinierendes. Es gibt also definitiv schlimmere Orte, um auf Wind und Wellen zu warten.

Kapstadt ist auch nach wie vor eine relativ günstige Urlaubsdestination. Feststellbar ist aber schon, dass die Lebenshaltungskosten und auch Restaurantbesuche oder Weinproben deutlich im Preis angezogen haben.

Südafrika hat eine lebendige Weinindustrie.
Südafrika hat eine lebendige Weinindustrie.

Die Preise steigen
Scheinbar haben auch die Südafrikaner erkannt, was an den Touristen zu verdienen ist, nur an irgendwelchen Zöllen können die Preissteigerungen jedenfalls nicht überall liegen. Allerdings führen die teilweise deutlichen Preissteigerungen auch an den ersten Stellen zu Verweigerungshaltungen. So kostet etwa der Eintritt in den Cape Nationalpark, mit dem Kap der Guten Hoffnung und dem Surfspot Platboom für Touristen inzwischen 500 Rand, also etwa 25 Euro. Waren in den Vorjahren lange Schlangen vor der Einfahrt und den Kassenhäuschen eigentlich Standard, so war dieses Mal die Kassiererin durchaus einem kleinen Plausch nicht abgeneigt, weil so wenig los war. Auch sie vermutete, dass die Preissteigerung für einen für sie deutlich entspannteren Arbeitstag sorgte….

Chris Hafer, Big Bay
Chris Hafer, Big Bay

Was erwartet Urlauber abseits der Postkartenidylle?
Relativ unentspannt ist dagegen die Verkehrslage. Wie auch bei uns gibt es einfach zu viel Menschen und Autos auf engem Raum. Zu bestimmten Zeiten sollte man lieber noch einen Kaffee trinken, statt sich etwa zu Zeiten des Berufsverkehrs auf den Weg nach Kapstadt oder etwa zu den Surfspots am Kap zu machen. Auch die wirklich kreative Verkehrsführung hilft nicht gerade, einfach von A nach B zu kommen, selbst wenn man heutzutage ja mit Navigation unterwegs ist und die Straßenschilder mit wirklich erstaunlichen Malereien eher als abstrakte Kunst bestaunen kann.

Postkartenidylle
Postkartenidylle

Allerdings schienen unsere Handys bzw., Google Maps sich kreativ zu zeigen, wenn es um das Umfahren von Staus ging. Vermutlich hatten wir eine Betaversion der neuen Google Maps „Explorer Edition“ auf unseren Handys geladen, nach dem Motto, nicht alle die herumirren sind verloren...

Google Maps Explorer Edition (angeblich hatte Christoph Kolumbus die erste Version) führt einen durch wirklich interessante Gegenden, sei es die muslimisch geprägte Viertel oder auch durch Siedlungen mit Wellblechhütten, wo am Straßenrand am lokalen Imbiss die Schweineköpfe gegrillt werden. Immerhin hatten wir scheinbar die Premiumversion auf dem Handy, denn zumindest wurden die weniger sicheren Bereiche wie Townships oder Taxistände umfahren….

Flo Luther, Platboom
Flo Luther, Platboom

Was die südafrikanischen Taxis betrifft, also die weißen Toyotabusse mit afrikanischem Design, und in aller Regel stark verbeult, so könnte eine Fahrt darin vermutlich den Adrenalinpegel bei einer Runde mit jeder bislang bekannten Achterbahn übertreffen. Es ist immer wieder schlichtweg beeindruckend zu sehen, wie die Fahrer es schaffen, auf wenigen Metern Fahrstrecke die maximale Anzahl von Verkehrsverstößen zu begehen. Rotlicht, Geschwindigkeit, sagen wir mal spontane und mutige Fahrstreifenwechsel, Vollbremsungen um einen weiteren Fahrgast in das überfüllte Fahrzeug aufzunehmen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und Überraschungen im Verkehr garantiert. Falls jemals Pro7 noch mal ein Crash Car Rennen ausrichten sollte, ich würde all mein Geld auf einen Taxifahrer aus Kapstadt setzen.

Chris Hafer, Paternoster
Chris Hafer, Paternoster

Einige der Probleme der früheren Jahre, etwa das sogenannte Loadshedding, also das Abschalten des Stromes in ganzen Stadtvierteln, um eine Überlastung der Stromnetze zu verhindern, scheint behoben zu sein (allerdings durch den verstärkten Einsatz fossiler Energieträger). Dafür sind scheinbar andere Probleme hinzugekommen. So scheint etwa die Bandenkriminalität stark angestiegen zu sein, aktuell tobt anscheinend gerade ein Kampf um die Vorherrschaft im Taximarkt mit diversen Morden. Und auch Überfälle an den Autobahnen haben zugenommen, sodass teilweise die Armee zur Absicherung und Unterstützung der Polizei hinzugezogen wurde. Von beidem haben wir allerdings glücklicherweise nur aus den Meldungen erfahren…

Wer nach Südafrika reist, wird einen sehr starken Kontrast zwischen arm und reich erleben.
Wer nach Südafrika reist, wird einen sehr starken Kontrast zwischen arm und reich erleben.

Glück. Eine Frage des Blickwinkels.
Wenn man allerdings jeden Tag an Leuten vorbeifährt, die die Mülltonnen vor den Häusern durchsuchen, die Ihren Hausstand in einem Einkaufswagen hinter sich herziehen oder auf dem Mittelstreifen der Autobahn wohnen, dann relativieren sich die eigenen Probleme ganz erheblich. Der Kontrast zwischen Reichtum, bzw. Wohlstand und Elend und Armut auf teilweise ganz engem Raum ist immer wieder erschütternd. Und führt letztlich zu einer Feststellung: Luxusprobleme, nichts anderes haben wir, besonders in Deutschland.

Boulders Beach
Boulders Beach

Und mit etwas verändertem Blickwinkel ist dann vielleicht doch nicht alles schlecht, im Gegenteil.

Flaute ist definitiv kein Grund für schlechte Laune, gerade wenn es soviel rundherum zu entdecken und zu erleben gibt. Wenn man gesund an einem Ort sein kann, wo der Himmel blau ist und man dem Winter entfliehen kann. Den Luxus und das Glück, überhaupt Urlaub zu haben und den irgendwo verbringen zu können, reisen zu können, fremde Kulturen und Natur zu erleben. Einfach Demut zu empfinden für die Möglichkeiten, die man selbst hat und wesentlich positiver und optimistischer durch das Leben zu gehen… denn mit der Einstellung ist sehr vielleicht auch morgen wieder einiges ein wenig besser - und nicht alles immer nur schlechter.

23.03.2026 © DAILY DOSE  |  Text: Chris Hafer, Florian Luther  |  Fotos/Grafiken: Chris Hafer, Florian Luther