Links im Bild, Liam Dunkerbeck in Salinas de Tenefé. Der Spot liegt etwas südlich von Pozo.
Links im Bild, Liam Dunkerbeck in Salinas de Tenefé. Der Spot liegt etwas südlich von Pozo.

Windsurfurlaub auf Gran Canaria

Arne Wolf war nach 22 Jahren im Frühjahr 2026 wieder auf Gran Canaria. Ist die Insel immer noch ein Paradies für Windsurfer?

Während des eisigen Winters in Norddeutschland Anfang des Jahres, war uns nach einer Aufwärmphase. Was liegt da näher, als ein Abstecher auf die Kanarischen Inseln? Wir stellten eine Anfrage bei Pozowinds – und erhielten eine Zusage für den Zeitraum vom 15.03. bis 25.03.2026.

Yeah – für mich hieß es, nach 22 Jahren wieder nach Gran Canaria! Die Vorfreude war groß. Je näher unser Abreisedatum kam, desto häufiger checkten wir die Wetterprognosen. Die Kanaren lieferten schon seit mehreren Wochen strammen Nordostpassat, und wir befürchteten, dass nach so langer konstanter Windphase eine Pause eintreten könnte.

Salinas, Arne
Salinas, Arne

Im Frühjahr (März–Mai) ist der Wind auf Gran Canaria meist vorhanden, aber noch wechselhaft (ca. 60 bis 80 % Wahrscheinlichkeit). Im Sommer (Juni–August) dominiert der stabile Nordostpassat fast täglich, mit einer Windwahrscheinlichkeit von etwa 90 bis 100 %. Südwestliche Störungen sind selten und treten eher außerhalb des Sommers auf.

Der Nordostpassat verabschiedete sich pünktlich zu unserer Ankunft. Zusätzlich wurde vor Unwettern und orkanartigen Stürmen auf den Kanaren gewarnt. Wir waren nervös und wussten nicht, welches Material wir einpacken sollten. Die typischen 3erSegel für Pozo ließen wir zu Hause und griffen stattdessen zu Segeln zwischen 4,0 m2 und 5,7 m2. Zur Sicherheit nahmen wir neben den 80er-Waveboards auch die 100 l Waveboards mit.

Salinas, Claudia und Arne
Salinas, Claudia und Arne

Beim Vorabend-Check-in am Flughafen gab es Probleme mit dem Sperrgepäck. Es hieß, nur eine Tasche Sportgepäck pro Person wäre erlaubt.

Nach langem Hin und Her bot mir die Fluggesellschaft schließlich an, ein zusätzliches Golfgepäck für 50 Euro hinzuzubuchen, damit alle Taschen mitkommen. Da um diese Uhrzeit niemand mehr im Callcenter erreichbar war, stimmte ich notgedrungen zu. Auf der Webseite der Fluggesellschaft steht es eindeutig:

„Was passiert, wenn mein Gepäck schwerer ist als erlaubt?“ Falls deine Sportausrüstung schwerer als 32 kg sein sollte, fällt der normale Preis für einen weiteren Koffer an (wenn dieser im Rahmen von 23 kg bleibt). Sollte ein weiterer Koffer nicht ausreichen, kann alternativ ein weiteres Sportgepäck für bis zu 32 kg mehr gebucht werden. – Quelle: eurowings.com

Ich hatte ein 32-kg-Sportgepäck (Surfboards) und ein 23-kg-Aufgabegepäck (Segel). Diese Buchung wurde mir nachträglich von Eurowings bestätigt, und man entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten. Für den Rückflug wurde in meiner Buchung vermerkt, dass mein Aufgabegepäck aus zwei Sperrgepäcktaschen besteht. Für die Zukunft werde ich das immer vor dem Flug über das Callcenter eintragen lassen – dieser Tipp kann helfen, Ärger zu vermeiden.

Moritz Mauch
Moritz Mauch

Auf Gran Canaria angekommen, hatten wir am Sonntagnachmittag, dem 15.03., noch etwas Wind aus Nordost und konnten immerhin eine erste Session in Pozo Izquierdo genießen. Wir checkten in unsere Unterkunft ein, machten das Material fertig und gingen gleich aufs Wasser – 4,0 m2 / 82 l für Claudia und 4,6 m2 / 88 l für mich. Gesurft wurde bis zum Sonnenuntergang bei ablaufender Tide.

Die Unterkünfte von Pozowinds sind wirklich toll – der Ausblick auf die Bucht ist unschlagbar, der Balkon großzügig, und die Küche bestens ausgestattet. Außerdem ist das gesamte Team sehr freundlich und hilfsbereit. Pozowinds betreibt außerdem ein Materialverleih zu sehr fairen Preisen.

Da es am nächsten Morgen kein Wind gab, fuhren wir verschiedene Spots ab, u.a. nach Castillo del Romeral und Ketchup – leider ohne Wind oder Wellen, sodass wir uns kaum eine Vorstellung machen konnten.

Windsurfurlaub auf Gran Canaria

Der spanische Wetterbericht kündigte für den 17.03. bis 21.03. orkanartige Stürme an. Sturmtief Therese war da, und sobald wir das Navi einschalteten, erschienen Warnhinweise auf mögliche Straßensperrungen. Der Dienstag, 17.03., versprach somit ein grandioser Surftag zu werden, mit kräftigem Südwestwind und Wellen von bis zu drei Metern. Wir packten das Auto und fuhren nach Salinas de Tenefé.

Am „Strand“ angekommen, entdeckten wir viele bekannte Gesichter, von Amateuren bis Profis war alles vertreten.

Nach einer kurzen Begrüßung und Spot-Einweisung durch Lokalmatador Björn Dunkerbeck, der soeben vom Wasser kam, riggte ich 4,6 m2 / 88 l. Die Wellen hatten ordentlich Druck. Nach einem Waschgang lag mein Material ungünstig und eine Welle brach meinen Mast. Claudia hingegen konnte mit 4,0 m2 / 82 l souverän durch den Shorebreak starten und kam mit intaktem Material zurück.

Moritz Mauch
Moritz Mauch

Nach meinem Mastbruch hatte ich immerhin Zeit, die Locals zu fotografieren. Liam Dunkerbeck Morales E11 zeigte spektakuläre Cutbacks und Aerial 360s, Marino Gil Gheradi E959 sprang meterhohe Frontloops off the lip, Josep Pons E209 und Moritz Mauch G103demonstrierten höchste Präzision in meterhohen Wellen. Die Session dauerte bis in den Sonnenuntergang traumhafte Stimmung!

Am Mittwoch, 18.03., trafen wir auf Josep Pons E203, der uns mit nach Castillo del Romeral nahm. Josep ist Sportwissenschaftler und professioneller Windsurfcoach. Er trainiert sowohl Amateure als auch Profis. Josep ist äußerst sympathisch und kompetent – absolut empfehlenswert!

Der Spot zeigte sich mit kleineren Bump-and-Jump-Wellen und einem entspannteren Einstieg als Salinas. Wir riggten ein 3.4 m2 für Claudia und 4.6 m2 für mich auf. Der Südwestwind war stark, aber böig: mal überpowert, dann wieder schwach. Trotzdem – türkisfarbenes Wasser, fliegende Fische und Sonne pur – ein Genuss nach dem grauen Winter.

Marino Gil
Marino Gil

Der Donnerstag, 19.03., brachte Regen und unruhigen Wind. Nach stundenlangem Hin- und Herfahren entschieden wir uns am späten Nachmittag noch für eine Session in Castillo del Romeral. Das 5.2er kam zum Einsatz, doch ein Gewitter mit Platzregen beendete das Vergnügen. Später erfuhren wir, dass viele Profis nach Fuerteventura übergesetzt waren – dort gab es masthohe Wellen.

Nach zwei Tagen Pause in Salinas waren wir am 20.03. wieder hochmotiviert. Hochwasser, kraftvolle Wellen, viel Strömung – nichts für schwache Nerven. Filmer Blas Herrera Trujillo war ebenfalls vor Ort, und überraschend tauchte Jens Hogenkamp auf – den ich auf Hawaii vermutet hatte. Die Freude war groß zusammen auf‘s Wasser zu kommen! Claudia riggte 3.4 m2 und ich 4.0 m2 auf. 35 Knoten, massiven Wellen und starke Strömung forderten uns allerhand ab. Ich wurde von einer zwei Meter hohen Welle auf die Steine gespült, Claudia erging es kaum besser. Die zweite Session am Abend lief deutlich angenehmer, aber wir waren durch.

Gran Canaria bietet auch abseits des Wassers Abwechslung.
Gran Canaria bietet auch abseits des Wassers Abwechslung.

Am Ende des Tages saßen wir erschöpft, aber glücklich auf den Steinen – und sahen Liam Dunkerbeck E11 und Daida Ruano Moreno E64, die „Queen of Pozo“, bei der Abendshow auf dem Wasser. Spektakulär!

Der 21.03. brachte extreme Böen – sie rissen sogar die Statue La Windsurfista samt Mast um. Wir selbst hatten mit geprellten Zehen und Oberschenkeln zu kämpfen und beschlossen, zu pausieren. Stattdessen machten wir einen Ausflug in den Barranco de Guayadeque – eine bis zu 400 Meter tiefe Schlucht mit Höhlenwohnungen, Felsenkapelle und urigen Restaurants. Ein lohnenswerter Abstecher – Natur, Geschichte und kanarische Kultur pur.

Liam Dunkerbeck
Liam Dunkerbeck

Am Sonntag, 22.03., ging es wieder aufs Wasser – leichter Südwest, moderate Wellen. Daniel Dunkerbeck (E-1111) trainierte bereits, während Björn vom Ufer aus Tipps gab. Wir fuhren mit 4.6 m2 und 88 l für Claudia und 5.2 m2 und 100 l für mich. Anfangs kam nur in Böen richtig Druck auf, aber ab Mittag frischte der Wind kurz auf – und wir hatten eine Dreiviertelstunde puren Spaß.

Daida Ruano Moreno
Daida Ruano Moreno

Am 23. und 24.03. zeigten sich die Spuren des Sturms deutlich. In den Bergen waren zahlreiche Wanderwege und Straßen gesperrt, manche endeten plötzlich in Sackgassen. Wasserfälle stürzten teils über Treppen, überflutete Täler und Erdrutsche säumten die Straßenränder – hier hatte die Natur ganze Arbeit geleistet. Auch die Strände von Playa del Inglés und Maspalomas waren überflutet. Abgebrochene Palmen und angespülter Plastikmüll bestimmten das Bild. Wir beschlossen, spontan einen Beach-Clean-up zu machen – der Müllsack war schnell gefüllt.

Windsurfurlaub auf Gran Canaria

Alles in allem war es ein erfolgreicher Trip: 7 von 10 Tagen Wind – das entspricht exakt der Statistik von 70 % Windausbeute im Winter. Etwas mehr Nordostwind und besseres Wetter hätten wir uns gewünscht, aber auch der Südwestwind hatte seine Reize.

Wir kommen wieder – und ein großes Dankeschön geht an die Crew von Pozowinds!

13.05.2026 © DAILY DOSE  |  Text: Arne Wolf  |  Fotos/Grafiken: Arne Wolf, Robin Heymans / Unsplash  |  Translation: EN